HerkunftDie Kerze am Wegesrand

Im Hochsommer steht sie da wie eine gelbe Fackel, oft größer als du selbst, und leuchtet über Bahndämmen und Brachen.
Die Königskerze ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr wächst nur eine große Rosette aus dicken, filzig behaarten Blättern. Im zweiten Jahr schiebt sie einen Stängel bis zu zwei Meter hoch, dicht besetzt mit goldgelben Blüten, die sich nach und nach von unten nach oben öffnen. Für die Teedroge werden drei Arten genutzt: Verbascum densiflorum, Verbascum phlomoides und Verbascum thapsus.
Ihr zweiter Name, Wollblume, kommt von der dichten Behaarung. Stängel, Blätter und sogar drei der fünf Staubblätter tragen feine, wollige Härchen. Diese Härchen sind auch der Grund, warum du Königskerzentee immer gut abseihen solltest.
Früher tauchte man die getrockneten Stängel in Pech oder Wachs und nutzte sie als Fackeln, daher kommt wohl der Name Königskerze. In vielen Gegenden gehört sie bis heute in den Kräuterbuschen, der zu Mariä Himmelfahrt im August gesegnet wird.
Als Heilpflanze ist die Wollblume seit der Antike bekannt. Durch alle Jahrhunderte zieht sich ein roter Faden: Husten, Heiserkeit und Verkühlung. Bis heute stecken ihre Blüten in vielen Brust- und Verkühlungstees.
NutzenSchutzfilm für gereizte Atemwege
Das HMPC, das pflanzliche Fachgremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur, hat 2008 eine Monographie zu den Wollblumen veröffentlicht und sie 2018 überarbeitet. Darin werden sie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Halsbeschwerden bei trockenem Husten und Verkühlung geführt. Traditionell heißt: Die Anwendung ist durch lange Erfahrung plausibel, nicht durch klinische Studien belegt.
Schon die Kommission E in Deutschland hatte die Wollblumen positiv bewertet, damals für Katarrhe der Luftwege. Auch die europäische Fachgesellschaft ESCOP beschreibt sie in ihrer Monographie als reizlinderndes und mild auswurfförderndes Mittel bei Verkühlung mit Husten und Halsschmerzen.
Die Idee dahinter ist einfach: Die Schleimstoffe legen sich wie ein feiner Film über die gereizte Schleimhaut im Rachen. Das kann den Hustenreiz dämpfen und das Kratzen lindern. Die Saponine sollen zusätzlich helfen, festsitzenden Schleim zu lockern.
In Laborversuchen zeigten Extrakte aus Königskerzen entzündungshemmende, antioxidative und gegen manche Viren und Bakterien gerichtete Wirkungen. Das ist interessant, lässt sich aber nicht einfach auf eine Tasse Tee übertragen. Für den Alltag zählt vor allem die lange, gute Erfahrung.
InhaltsstoffeWas in den goldenen Blüten steckt
Die Blüten enthalten rund 3 Prozent Schleimstoffe, also Polysaccharide, die in Wasser aufquellen. Dazu kommen reichlich Zucker, was den milden, fast honigartigen Geschmack erklärt.
Wichtig sind außerdem Saponine wie das Verbascosaponin und Iridoide wie Aucubin und Catalpol. Iridoide kennst du vielleicht vom Spitzwegerich, der ebenfalls bei Husten verwendet wird. Die Saponine gelten als sanft schleimlösend.
Abgerundet wird das Bild durch Flavonoide (zum Beispiel Apigenin, Luteolin und Kaempferol) und das Phenylethanoid Verbascosid, das in Laborstudien antioxidativ und entzündungshemmend wirkte. Die Blätter enthalten ähnliche Stoffgruppen, sind aber nicht Teil der HMPC-Monographie, sondern volkstümlich überliefert.
Verstärkte KombinationenMit wem die Königskerze gut kann
In Hustentees ist die Königskerze fast nie allein, sie ist die sanfte Schleimkomponente in vielen Mischungen.
Beide bringen Schleimstoffe und Iridoide mit und werden traditionell bei trockenem Reizhusten verwendet.
Eibischwurzel liefert besonders viel Schleim und verstärkt den beruhigenden Film im Rachen.
Thymian hat eine HMPC-Monographie als Hustenmittel und ergänzt die milde Königskerze, wenn der Schleim sich lösen soll.
Holunderblüten werden traditionell bei beginnender Verkühlung genutzt, die Königskerze kümmert sich um den Hals.
Die süßlichen Früchte runden den Tee ab und werden selbst traditionell bei Husten verwendet.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Wer Schleim lösen will, sollte das Abhusten nicht gleichzeitig unterdrücken, das gilt für alle auswurffördernden Pflanzen.
Früher wurden Blätter geraucht, Rauch reizt die Atemwege aber immer, egal von welcher Pflanze.
Die wolligen Härchen können im Hals kratzen und genau das Gegenteil bewirken.
AnwendungSo wird die Königskerze zubereitet
- Tee1,5 bis 2 g getrocknete Blüten (etwa 2 gehäufte Teelöffel) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.
- AbseihenUnbedingt durch einen Papierfilter (zum Beispiel Kaffeefilter) oder ein dichtes Tuch gießen, damit die Härchen zurückbleiben.
- Wie oft3 bis 4 Tassen über den Tag verteilt, laut HMPC für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene.
- Warm trinkenLangsam und in kleinen Schlucken, damit der Schleim die Rachenschleimhaut gut benetzt.
- SüßenEin Teelöffel Honig passt geschmacklich und tut dem Hals zusätzlich gut (nicht für Babys unter einem Jahr).
- Tinktur aus BlätternVolkstümliche Zubereitung, Dosierung nach Angabe des Herstellers, meist einige Tropfen in Wasser mehrmals täglich.
- Blüten sammelnNur voll geöffnete Blüten an trockenen, sonnigen Vormittagen pflücken und rasch, schattig trocknen.
- LagerungLuftdicht, dunkel und trocken aufbewahren; feucht gewordene Blüten werden braun und verlieren an Qualität.
Als HausmittelEin Klassiker aus Omas Teeschrank
Wollblumen-Halstee
- 2 gehäufte Teelöffel getrocknete Königskerzenblüten in eine Kanne geben.
- Mit 150 ml sprudelnd kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.
- Durch einen Kaffeefilter aus Papier abgießen, damit keine Härchen im Tee landen.
- Etwas abkühlen lassen, nach Wunsch einen Teelöffel Honig einrühren und schluckweise trinken.
Traditionell bei kratzendem Hals, Heiserkeit und trockenem Reizhusten im Rahmen einer Verkühlung.
3 bis 4 Tassen täglich; wenn die Beschwerden länger als eine Woche anhalten oder schlimmer werden, ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Königskerze gehört nicht zum klassischen Arzneischatz des Ayurveda, eine Überlieferung gibt es nicht. Nach ihren Eigenschaften, süßlich, schleimig, befeuchtend und kühlend, würde man sie als Pflanze sehen, die trockenes Vata in den Atemwegen und hitziges Pitta im Hals beruhigt. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditionelle Chinesische Medizin
Auch in der klassischen Traditionellen Chinesischen Medizin spielt die Königskerze keine Rolle, sie ist eine europäische Heilpflanze. Ordnet man sie nach ihren Eigenschaften ein, wäre sie ein befeuchtendes, leicht kühlendes Mittel für die Lunge, gedacht bei trockenem Husten mit wenig Schleim. Auch das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Kinder unter 12 Jahren: Das HMPC empfiehlt den Tee für diese Altersgruppe nicht, weil ausreichende Daten fehlen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht untersucht, deshalb rät das HMPC von der Anwendung ab.
- Warnzeichen beim Husten: Bei Atemnot, Fieber, eitrigem Auswurf oder wenn der Husten länger als eine Woche dauert, bitte ärztlich abklären lassen.
- Allergie: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Königskerze nicht anwenden.
- Ohrenöl: Königskerzenblütenöl wird volkstümlich bei Ohrenschmerzen verwendet, aber nie bei Ausfluss aus dem Ohr oder möglichem Trommelfellschaden, und bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Verbascum thapsus L., V. densiflorum Bertol. (V. thapsiforme Schrad.) and V. phlomoides L., flos. EMA/HMPC/611537/2016, adoptiert 27. März 2018.
- EMA/HMPC: Assessment report on Verbascum thapsus L., V. densiflorum Bertol. (V. thapsiforme Schrad.) and V. phlomoides L., flos. EMA/HMPC/611531/2016, 2018.
- ESCOP Monographs: Verbasci flos (Mullein Flower). Online Series, European Scientific Cooperative on Phytotherapy, 2014.
- Kommission E: Monographie Verbasci flos (Wollblumen). Bundesanzeiger 1990.
- Türker AU, Gürel E. Common mullein (Verbascum thapsus L.): recent advances in research. Phytotherapy Research 2005; 19(9): 733 bis 739.
- Bildnachweis: Königskerze. Foto: Michael Burgholzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


