Radicchio (Cichorium intybus var. foliosum)
HerkunftDie rote Zichorie aus dem Veneto

Der Name kommt vom lateinischen radix, Wurzel - auch die Wegwarte wurde lange vor allem wegen ihrer Wurzel angebaut.
Alle Radicchio-Sorten stammen von der Wegwarte (Cichorium intybus) ab, die mit ihren himmelblauen Blüten an unseren Wegrändern wächst. Aus ihr wurden Wurzelzichorie, Chicorée und Blattzichorien wie Radicchio gezüchtet.
Die Heimat des roten Radicchio ist Venetien. Der runde Chioggia ist heute der häufigste Radicchio im deutschen Handel, der längliche Treviso gilt als Edelform. Beim Treviso Tardivo werden die Pflanzen nach den ersten Frösten geerntet und mit den Wurzeln in Becken mit fließendem Quellwasser gestellt. Im Dunkeln treiben sie neue, bleiche Blätter mit leuchtend weißen Rippen und weinroten Spitzen. Die Technik soll im 19. Jahrhundert ein belgischer Gartenarchitekt nach Treviso gebracht haben. Treviso und Castelfranco sind heute als geschützte geografische Angaben (g.g.A.) geschützt.
NutzenWas Radicchio für dich tut
100 g Radicchio haben laut USDA nur 23 kcal, liefern aber rund 255 µg Vitamin K - ein Vielfaches des Tagesbedarfs –, dazu etwa 60 µg Folat, 300 mg Kalium, gut 2 mg Vitamin E und etwas Vitamin C. Ballaststoffe hat er mit knapp 1 g eher wenig.
Charakteristisch sind seine Bitterstoffe: Sesquiterpenlactone wie Lactucin und Lactucopicrin (in älterer Literatur auch Intybin genannt). Bitterer Geschmack regt reflektorisch Speichel-, Magensaft- und Gallefluss an; deshalb setzt die Pflanzenheilkunde Bitterpflanzen seit jeher bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl ein. Die Kommission E hat die verwandte Wegwarte für diese Anwendung positiv bewertet. Für Radicchio als Gemüse gibt es dazu keine klinischen Studien - als bitterer Auftakt zu einer Mahlzeit passt er aber genau in diese Tradition.
Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-Glykosiden, dazu kommen Chlorogensäure und Chicoréesäure. Und das Inulin? Das ist vor allem in der Wurzel der Zichorie angereichert; in den Blättern steckt nur wenig. Radicchio ist also keine nennenswerte Inulin-Quelle.
InhaltsstoffeDas steckt im Radicchio
Radicchio enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (Lactucin, 8-Desoxylactucin, Lactucopicrin), Anthocyane wie Cyanidin-3-O-(6-malonyl)-glucosid, Phenolsäuren wie Chlorogensäure und Chicoréesäure, Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Glykoside, wenig Inulin sowie Vitamin K, Folat, Vitamin E, Vitamin C, Kalium und Carotinoide wie Lutein.
Die Bitterstoffe sitzen vor allem in den Blattrippen und im Strunk. Die Anthocyane werden durch Säure leuchtender, durch Hitze eher bräunlich.
Verstärkte KombinationenWas Radicchio stärker macht
Bitter braucht Gegenspieler: Süße, Fett und Salz machen Radicchio rund.
Balanciert die Bitterkeit.
Für Vitamin K und E.
Salz und Umami gegen Bitter.
Macht die Farbe leuchtend.
Mild trifft herb.
Klassisch aus Treviso.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Zu bitter für Einsteiger.
Wird matschig und grau.
Kostet Vitamine - 10 Minuten reichen.
Viel Vitamin K.
Bitterstoffe regen Magensaft an.
Im Gemüsefach eine Woche frisch.
In der KücheWo er hingehört
- Radicchio-RisottoMit Rotwein und Parmesan.
- Gegrillter TrevisoLängs geviertelt mit Olivenöl.
- Geschmorter RadicchioMit Balsamico und Honig.
- WintersalatMit Birne und Walnüssen.
- PastaMit Radicchio, Speck oder Pinienkernen.
- OrangensalatMit Radicchio und Fenchel.
- OfengemüseMit Kürbis und roten Zwiebeln.
- Pizza biancaNach dem Backen belegt.
- Gemischter SalatEin paar rote Blätter reichen.
- Radicchio-SchiffchenBlätter mit Frischkäse gefüllt.
Als HausmittelBitterer Vorspeisensalat vor schweren Mahlzeiten
Radicchio-Vorspeise
- Einige Blätter Radicchio waschen, trocknen und in feine Streifen schneiden.
- Eine halbe Birne oder Orange in Stücke schneiden und dazugeben.
- Mit 1 Esslöffel Olivenöl, einem Spritzer Balsamico und einer Prise Salz anmachen.
- Langsam und gründlich kauen, als kleine Portion vor dem Hauptgang essen.
Nach altem Prinzip der Bittermittel: bitterer Geschmack vor dem Essen soll Appetit und Verdauungssäfte anregen und Völlegefühl nach fettreichen Mahlzeiten vorbeugen. Die Anwendung beruht auf Tradition und der positiven Bewertung der Wegwarte durch die Kommission E, nicht auf Studien mit Radicchio.
Eine kleine Schale vor dem Hauptgericht. Bei Magengeschwüren oder Sodbrennen besser weglassen, bei Gallensteinen vorher ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Radicchio ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt er als bitter, kühlend und leicht - ausgleichend für Pitta und Kapha, für Vata besser gegart mit etwas Öl.
Traditionelle Chinesische Medizin
Die Wegwarte wird in der chinesischen Kräuterheilkunde als bitter und kühl beschrieben, sie soll Hitze klären und Leber und Galle unterstützen. Die westliche TCM-Ernährungslehre ordnet Radicchio ebenso ein.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Blutgerinnung: Radicchio ist sehr reich an Vitamin K. Wer Cumarin-Blutverdünner wie Phenprocoumon nimmt, sollte ihn regelmäßig in gleichbleibenden Mengen essen und größere Umstellungen ärztlich besprechen.
- Galle: Bitterstoffe regen den Gallefluss an; bei Gallensteinen oder Verschluss der Gallenwege Bittermittel nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Magen: bei akuter Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwüren können Bitterstoffe reizen.
- Allergie: Korbblütler-Allergiker können auf Zichorien reagieren; auch Kontaktekzeme beim Putzen größerer Mengen sind beschrieben.
- Keime: wie alle Blattsalate vor dem Rohverzehr gründlich waschen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- USDA FoodData Central: Radicchio, raw.
- Innocenti M et al. Evaluation of the phenolic content in the aerial parts of different varieties of Cichorium intybus L. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2005; 53(16): 6497–6502.
- Street RA, Sidana J, Prinsloo G. Cichorium intybus: traditional uses, phytochemistry, pharmacology, and toxicology. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013; 2013: 579319.
- Wesołowska A et al. Analgesic and sedative activities of lactucin and some lactucin-like guaianolides in mice. Journal of Ethnopharmacology 2006; 107(2): 254–258.
- Kommission E: Monographie Cichorium intybus (Wegwarte).
- Consorzio di Tutela Radicchio Rosso di Treviso e Variegato di Castelfranco IGP: Il tardivo.


