Große Klette (Arctium lappa)

Familie
KorbblütlerArctium lappa, die Große Klette, verwandt mit Löwenzahn, Kamille und Artischocke
Verwendet wird
Wurzeldie lange Pfahlwurzel einjähriger Pflanzen, in Ostasien auch als Gemüse
Geschmack
süßlich, erdigmild nussig mit leicht bitterer Note, frisch etwas an Schwarzwurzel erinnernd
Herkunft
Europa und Asienheute auch in Nordamerika verbreitet, in Japan als Gemüse angebaut
Status
HMPC traditionellGemeinschaftsmonographie von 2010, derzeit in regulärer Überprüfung
Wichtig
Korbblütler-Allergiewer auf Kamille, Arnika oder Beifuß allergisch reagiert, sollte verzichten

HerkunftDie Pflanze, die an dir hängen bleibt

Große Klette mit großen herzförmigen Blättern und purpurnen, hakigen Blütenköpfen

Jedes Kind kennt die Klette, spätestens wenn die hakigen Köpfchen nach einem Spaziergang im Pullover oder im Hundefell hängen.

Die Große Klette (Arctium lappa) ist eine zweijährige Pflanze mit riesigen, herzförmigen Blättern, die unterseits grau-filzig sind. Im zweiten Jahr wird sie bis zu zwei Meter hoch und trägt purpurne Blütenköpfe, deren Hüllblätter in feinen Haken enden. Mit diesen Haken heften sich die Früchte an Fell und Kleidung und lassen sich so verbreiten.

Genau dieser Trick soll den Schweizer Ingenieur George de Mestral in den 1940er Jahren auf die Idee des Klettverschlusses gebracht haben. Die Klette ist also nicht nur Heilpflanze, sondern auch eines der bekanntesten Vorbilder der Bionik.

Medizinisch interessant ist vor allem die Wurzel. Sie wird bis zu einem Meter lang, ist außen bräunlich und innen weißlich und wird im Herbst des ersten Jahres oder im Frühjahr des zweiten Jahres gegraben, bevor die Pflanze ihre Kraft in den Stängel steckt.

In Japan heißt die Klettenwurzel Gobō und wird als Gemüse angebaut. Dünn geschnitten und mit Karotte, Sojasauce und Sesam gebraten wird daraus das bekannte Gericht Kinpira Gobō. In Europa dagegen war die Klette lange vor allem eine Pflanze der Volksheilkunde für Haut und Haare.

NutzenHaut, Haare und Stoffwechsel

Das HMPC, das pflanzliche Fachgremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur, hat 2010 eine Gemeinschaftsmonographie zur Klettenwurzel verabschiedet. Danach ist sie ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel für drei Anwendungen: zur Erhöhung der Harnmenge, um die Harnwege bei leichten Beschwerden durchzuspülen, bei vorübergehender Appetitlosigkeit und bei seborrhoischen, also fettigen Hautzuständen. Traditionell heißt: Die Anwendung beruht auf mehr als 30 Jahren Erfahrung, kontrollierte klinische Studien gibt es dafür nicht.

In der Volksheilkunde galt die Klettenwurzel als klassisches „Blutreinigungsmittel“, ein altes Wort für Pflanzen, die Haut, Niere und Verdauung anregen sollen. Man nahm sie bei unreiner Haut, Akne, Ekzemen und rheumatischen Beschwerden. Heute würde man vorsichtiger sagen: Sie wird traditionell bei Hautproblemen verwendet, die mit fettiger Haut einhergehen.

Eine kleine iranische Studie von 2016 untersuchte 36 Menschen mit Kniearthrose. Wer sechs Wochen lang dreimal täglich eine Tasse Klettenwurzeltee (2 g auf 150 ml) trank, hatte danach niedrigere Werte der Entzündungsmarker IL-6 und hs-CRP und eine bessere antioxidative Kapazität im Blut als zu Beginn. Das ist ein interessantes Signal, aber eine kleine Studie, die noch bestätigt werden muss.

Für die Haare ist das Klettenwurzelöl bekannt, ein Ölauszug aus der Wurzel, der seit Generationen bei trockener Kopfhaut, Schuppen und für kräftigeres Haar verwendet wird. Studien dazu gibt es praktisch keine, es ist ein Pflegeklassiker aus der Erfahrung.

etwa 45 %Inulin in der getrockneten Wurzel laut HMPC-Bewertungsbericht
2 bis 6 gWurzel als Tee, dreimal täglich, laut HMPC-Monographie
3 Anwendungenerkennt das HMPC an: Durchspülung, Appetitlosigkeit, fettige Haut
36 Personennahmen an der Studie mit Klettenwurzeltee bei Kniearthrose teil

InhaltsstoffeWas in der Wurzel steckt

Der Hauptbestandteil ist Inulin, ein Ballaststoff aus Fruchtzuckerbausteinen, der bis zu etwa 45 Prozent der getrockneten Wurzel ausmachen kann. Inulin dient den guten Darmbakterien als Futter und ist der Grund, warum Gobō in Japan als bekömmliches Ballaststoffgemüse gilt.

Dazu kommen Polyacetylene, die in frischer Wurzel deutlich reichlicher vorhanden sind als in getrockneter und im Labor antimikrobiell wirkten, sowie Kaffeesäureverbindungen wie Chlorogensäure, die als antioxidativ gelten. Außerdem enthält die Wurzel Triterpene, Phytosterole, etwas ätherisches Öl und Vitamin C.

Die Lignane Arctiin und Arctigenin, über die in der Krebsforschung viel geschrieben wird, stecken vor allem in den Früchten. In der Wurzel kommen sie nur in geringen Mengen vor. Studien zu den Früchten lassen sich deshalb nicht einfach auf Klettenwurzelprodukte übertragen.

Verstärkte KombinationenMit wem die Klette gut kann

In klassischen Haut- und Frühjahrstees ist die Klettenwurzel oft mit anderen Wurzeln und Kräutern zusammen, die Niere, Leber und Haut ansprechen.

Leber und Galle

mit Löwenzahn

Löwenzahnwurzel mit Kraut hat eine HMPC-Monographie bei Verdauungsbeschwerden und passt als Bitterpartner zur milden Klette.

Durchspülen

mit Brennnessel

Brennnesselkraut wird traditionell zur Durchspülung der Harnwege genutzt und ergänzt die Klette in Frühjahrskuren.

Haut

mit Stiefmütterchen oder Wegwarte

Die Wegwarte bringt Bitterstoffe für Verdauung und Haut, das Stiefmütterchenkraut wird traditionell bei leichten Hauterkrankungen verwendet.

Niere

mit Goldrute

Goldrutenkraut hat eine HMPC-Monographie zur Durchspülung und verstärkt diesen Ansatz.

Haare außen

mit Rosmarin

Ein paar Tropfen Rosmarinöl im Klettenwurzelöl duften frisch und werden traditionell für die Kopfhaut genutzt.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Entwässerung

nicht mit synthetischen Diuretika

Die HMPC-Monographie rät von der gleichzeitigen Einnahme mit entwässernden Medikamenten ab.

Korbblütler

nicht mit Kamille, Arnika und Co. bei Allergie

Wer auf Korbblütler reagiert, verträgt meist auch die Klette nicht, Mischungen verstärken das Risiko.

Wasser sparen

nicht mit zu wenig Trinken

Zum Durchspülen braucht es viel Flüssigkeit, das HMPC betont ausreichendes Trinken.

Alkohol

nicht mit Disulfiram oder Metronidazol als alkoholische Tinktur

Alkoholhaltige Tinkturen können mit solchen Medikamenten unangenehm reagieren, dann lieber Tee oder eine alkoholfreie Form wählen.

AnwendungSo wird die Klette zubereitet

  • Tee2 bis 6 g geschnittene Wurzel (etwa 1 bis 2 Teelöffel) mit 150 bis 250 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.
  • Wie oftDreimal täglich eine Tasse, laut HMPC für Erwachsene.
  • TinkturDosierung nach Angabe des Herstellers; das HMPC nennt für Tinkturen 1:5 und 1:10 jeweils 8 bis 12 ml dreimal täglich.
  • Pulver350 mg gemahlene Wurzel, drei bis fünf Mal täglich, mit reichlich Flüssigkeit.
  • Viel trinkenBei der Anwendung zur Durchspülung über den Tag mindestens 2 Liter trinken.
  • Als GemüseFrische Gobō-Wurzel schälen oder abschrubben, in feine Streifen schneiden, kurz in Wasser legen und anbraten oder in Suppen garen.
  • ÖlauszugGetrocknete Wurzel in Pflanzenöl ansetzen und als Klettenwurzelöl für Kopfhaut und Haarspitzen verwenden (siehe Hausmittel).
  • DauerWenn es nach 2 Wochen (bei Hautproblemen nach 4 Wochen) nicht besser wird, ärztlich abklären lassen.
Faustregel: Die Klette ist eine Pflanze für Geduld, nicht für schnelle Effekte. Gib ihr ein paar Wochen, trink viel Wasser dazu und achte darauf, wie deine Haut reagiert. Kaufe die Wurzel nur aus geprüfter Qualität, damit keine Verwechslungen im Beutel landen.

Als HausmittelEin Pflegeklassiker für Kopfhaut und Haar

So geht’s

Selbst gemachtes Klettenwurzelöl

  1. 3 Esslöffel getrocknete, geschnittene Klettenwurzel in ein sauberes, trockenes Schraubglas geben.
  2. Mit etwa 150 ml Oliven- oder Mandelöl übergießen, sodass die Wurzel vollständig bedeckt ist.
  3. Das Glas verschlossen an einem warmen Ort 2 bis 3 Wochen ziehen lassen und jeden Tag kurz schütteln.
  4. Durch ein feines Tuch abseihen, in eine dunkle Flasche füllen und kühl lagern.
Wofür

Traditionell zur Pflege trockener, schuppiger Kopfhaut und für geschmeidigere Haarspitzen. Ein Pflegeöl, kein Mittel gegen Haarausfall.

Menge

Ein bis zwei Mal pro Woche einige Tropfen in die Kopfhaut einmassieren, 30 Minuten bis über Nacht einwirken lassen und gründlich auswaschen. Vorher an der Armbeuge testen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Große Klette gehört nicht zum klassischen Arzneischatz des Ayurveda, eine Überlieferung gibt es nicht. Nach ihren Eigenschaften, süßlich, leicht bitter und kühlend, würde man sie als Pflanze sehen, die Pitta beruhigt, etwa bei heißer, entzündlicher Haut, und Kapha durch ihre durchspülende Wirkung entlastet. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist vor allem die Frucht bekannt: Niu Bang Zi (Arctii fructus). Sie gilt als scharf, bitter und kalt, wird Lunge und Magen zugeordnet und klassisch eingesetzt, um „Wind-Hitze“ zu zerstreuen, etwa bei Halsschmerzen in der Verkühlung und bei Hautausschlägen. Die Wurzel wird in China und Japan eher als Gemüse und Hausmittel genutzt und ist nicht das klassische TCM-Arzneimittel. Wichtig für dich: Frucht und Wurzel enthalten unterschiedliche Stoffe, die Aussagen zur Frucht gelten nicht automatisch für die Wurzel.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Korbblütler-Allergie: Bei Überempfindlichkeit gegen Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Beifuß nicht anwenden; selten wurde sogar ein anaphylaktischer Schock beschrieben.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Wegen fehlender Daten rät das HMPC von der Anwendung ab.
  • Kinder und Jugendliche: Das HMPC empfiehlt die Anwendung unter 18 Jahren nicht, weil ausreichende Daten fehlen.
  • Harnwege: Bei Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen, Krämpfen oder Blut im Urin sofort ärztlich abklären lassen. Wenn du wegen Herz- oder Nierenschwäche wenig trinken sollst, nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Qualität: Es wurden Verunreinigungen von Klettenwurzeltee mit Tollkirschenwurzel beschrieben, die zu Vergiftungen führten. Kaufe deshalb nur geprüfte Ware aus der Apotheke oder von seriösen Händlern.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: Community herbal monograph on Arctium lappa L., radix. EMA/HMPC/246763/2009, adoptiert 16. September 2010.
  2. EMA/HMPC: Assessment report on Arctium lappa L., radix. EMA/HMPC/246764/2009, 2010.
  3. EMA/HMPC: Addendum to the assessment report on Arctium lappa L., radix. EMA/HMPC/509409/2019, 2020.
  4. Chan YS, Cheng LN, Wu JH, Chan E, Kwan YW, Lee SMY, Leung GPH, Yu PHF, Chan SW. A review of the pharmacological effects of Arctium lappa (burdock). Inflammopharmacology 2011; 19(5): 245 bis 254.
  5. Maghsoumi-Norouzabad L, Alipoor B, Abed R, Eftekhar Sadat B, Mesgari-Abbasi M, Asghari Jafarabadi M. Effects of Arctium lappa L. (Burdock) root tea on inflammatory status and oxidative stress in patients with knee osteoarthritis. International Journal of Rheumatic Diseases 2016; 19(3): 255 bis 261.
  6. Bildnachweis: Große Klette. Foto: George Chernilevsky, Public Domain, via Wikimedia Commons