Weintraube (Vitis vinifera)
HerkunftAchttausend Jahre Wein

In Georgien fanden Archäologen Tonkrüge mit Weinresten, die rund 8.000 Jahre alt sind - der älteste Nachweis von Wein.
Die Weinrebe wurde im Südkaukasus domestiziert, im Gebiet des heutigen Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Von dort verbreitete sie sich über Mesopotamien, Ägypten und Griechenland in den ganzen Mittelmeerraum. Die Römer pflanzten Reben an Rhein und Mosel. Ihre wilde Stammform, die Wildrebe, wächst noch heute in den Auwäldern am Oberrhein - als eine der seltensten Pflanzen Deutschlands.
Im 19. Jahrhundert vernichtete die aus Amerika eingeschleppte Reblaus fast alle europäischen Weinberge. Gerettet wurde der Weinbau, indem man europäische Reben auf reblausresistente amerikanische Wurzeln pfropfte - so wird es bis heute gemacht. Tafeltrauben sind eigene Sorten mit großen, dünnschaligen, oft kernlosen Beeren; im 19. Jahrhundert waren „Traubenkuren“ in Kurorten wie Meran und Bad Dürkheim Mode.
NutzenWas die Traube für dich tut
Trauben liefern schnelle Energie aus Traubenzucker und Fruchtzucker, dazu Kalium, Vitamin K und Wasser. Das Interessante sitzt aber in der Schale und den Kernen: Resveratrol, Anthocyane (bei roten Sorten) und oligomere Procyanidine (OPC), die vor allem in den Kernen stecken.
Resveratrol wurde durch das „französische Paradox“ berühmt - die Vorstellung, Rotwein schütze die Franzosen vor Herzinfarkten. Die Laborergebnisse waren beeindruckend, die Studien am Menschen sind ernüchternd: Die Mengen in Trauben und Wein sind viel zu gering, und selbst hoch dosierte Präparate zeigten keine überzeugenden Effekte. Alkohol ist ohnehin kein Gesundheitsmittel.
Traubenkernextrakt mit OPC ist besser untersucht. Kleine Studien und Übersichtsarbeiten zeigen eine leichte Senkung des Blutdrucks und Verbesserungen bei Venenbeschwerden. Für die Traube als Obst bleibt: ein süßes, gesundes Obst, am besten rot, mit Schale und gern mit Kernen - und nicht als Diät-Snack in Mengen.
InhaltsstoffeDas steckt in der Traube
Das Fruchtfleisch enthält vor allem Wasser, Glukose und Fruktose zu etwa gleichen Teilen, Weinsäure und Äpfelsäure, Kalium und etwas Vitamin C und K. In der Schale roter Trauben sitzen Anthocyane, Flavonole wie Quercetin und das Stilben Resveratrol, das die Rebe gegen Pilzbefall bildet.
Die Kerne sind reich an Procyanidinen (OPC) und enthalten ein Öl mit viel Linolsäure, das als Traubenkernöl verkauft wird. Traubenkernmehl und -extrakt sind deshalb eigene Produkte. Auch Rosinen sind konzentrierte Trauben: viel Zucker, aber auch Ballaststoffe, Kalium und Eisen.
Verstärkte KombinationenWas die Traube stärker macht
Trauben passen zu Käse, Nüssen und Wild - und rote mit Kernen sind die gehaltvollere Wahl.
Die Polyphenole sitzen in Schale und Kernen - rote Sorten und kernhaltige Trauben gut kauen.
Eiweiß und Fett bremsen den Zuckeranstieg - der Käseteller ist die klügere Traubenportion.
Halbierte Trauben, bitterer Chicorée, Walnüsse, Blauschimmelkäse.
Rebhuhn mit Trauben, Fasan im Weinlaub - die Süße ergänzt das Wildaroma.
Gefrorene Trauben sind ein sorbetartiger Snack im Sommer.
Gefüllte Weinblätter mit Reis, Kräutern und Zitrone - die Blätter sind reich an Polyphenolen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Trauben und Rosinen können bei Hunden akutes Nierenversagen auslösen - schon kleine Mengen. Als Auslöser gilt die Weinsäure.
Trauben enthalten viel Traubenzucker - kleine Portionen, mit Eiweiß oder Fett.
Trauben gehören zu den häufiger mit Pestiziden belasteten Obstsorten - gründlich unter fließendem Wasser waschen oder Bio.
Ganze Trauben sind bei Kleinkindern eine Erstickungsgefahr - längs vierteln.
Der Nutzen von Resveratrol ist beim Menschen nicht belegt, die Schäden durch Alkohol schon.
Größere Mengen, vor allem Traubensaft, können blähen.
In der KücheWo sie hingehört
- KäsetellerTrauben mit Bergkäse, Blauschimmel und Walnüssen.
- DolmadesWeinblätter mit Reis, Minze, Dill, Zitrone.
- Chicorée-Trauben-SalatMit Walnüssen und Senf-Honig-Dressing.
- OfentraubenRote Trauben mit Thymian im Ofen geröstet, zu Ricotta oder Hähnchen.
- TraubenkuchenPfälzer Traubenkuchen mit Baiserhaube.
- Fasan mit TraubenKlassisches Herbstgericht.
- Gefrorene TraubenEinfach über Nacht in den Tiefkühler.
- Traubensaft-GeleeMit Gelierzucker und etwas Zitrone.
- CouscousMit Rosinen, Mandeln und Zimt.
- Federweißer mit ZwiebelkuchenDie Pfälzer Herbsttradition.
Als HausmittelDie Traubenkur - ehrlich eingeordnet
Ein Traubentag
- An einem Tag über den Tag verteilt etwa 1 bis 1,5 kg rote Trauben mit Schale und Kernen essen, gut kauen.
- Dazu reichlich Wasser oder Kräutertee trinken.
- Auf andere Mahlzeiten verzichten oder eine leichte Gemüsesuppe am Abend.
- Am nächsten Tag wieder normal, aber leicht essen.
Die Traubenkur war im 19. Jahrhundert eine beliebte Badekur für Verdauung und „Entschlackung“. Wissenschaftlich gibt es dafür keinen Beleg - und „Schlacken“ gibt es im Körper nicht. Ein Obsttag kann aber angenehm leicht sein und die Verdauung anregen.
Höchstens ein Tag. Nicht bei Diabetes, Fruktoseunverträglichkeit, Reizdarm, in der Schwangerschaft oder bei Untergewicht. Wer einen Obsttag machen will, wählt besser eine Mischung aus Obst und Gemüse.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda gilt die Traube, besonders getrocknet als Rosine (Draksha), als eine der besten Früchte überhaupt: süß, kühlend, nährend und leicht abführend. Sie beruhigt Vata und Pitta, wird bei Durst, Erschöpfung und Hitze gegeben, und das fermentierte Traubentonikum Drakshasava ist ein klassisches Präparat.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Traube (Pu Tao) süß-sauer und neutral. Sie soll Qi und Blut nähren, die Sehnen und Knochen stärken und das Wasserlassen fördern - traditionell bei Schwäche, Herzklopfen und Ödemen.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Hunde: Trauben und Rosinen sind für Hunde giftig - auch in Gebäck und Müsli.
- Kleinkinder: ganze Trauben längs vierteln (Erstickungsgefahr).
- Diabetes: kleine Portionen, möglichst mit Eiweiß oder Fett.
- Rückstände: gründlich waschen oder Bio kaufen.
- Traubenkernextrakt: kann die Wirkung von Blutverdünnern verstärken - mit dem Arzt absprechen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- McGovern P et al. Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus. PNAS 2017; 114(48): E10309–E10318.
- Yang J, Xiao YY. Grape phytochemicals and associated health benefits. Critical Reviews in Food Science and Nutrition 2013; 53(11): 1202–1225.
- Tomé-Carneiro J et al. Resveratrol and clinical trials: the crossroad from in vitro studies to human evidence. Current Pharmaceutical Design 2013; 19(34): 6064–6093.
- Wegenast CA et al. Acute kidney injury in dogs following ingestion of cream of tartar and tamarinds and the connection to tartaric acid as the proposed toxic principle in grapes and raisins. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care 2022; 32(6): 812–816.
- USDA FoodData Central: Grapes, red or green, raw.


