Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
HerkunftDas Kraut aus der Quelle

Der Gattungsname Nasturtium wird meist als „Nasen-Quäler“ gedeutet - von nasus (Nase) und tortus (verdreht), wegen ihrer beißenden Schärfe.
Brunnenkresse ist in Europa und Westasien heimisch, wurde schon in der Antike gegessen und galt im Mittelalter als Frühjahrskraut.
In Deutschland ist Erfurt die klassische Brunnenkresse-Stadt: Ab dem späten 17. Jahrhundert wurde sie im Dreienbrunnen in eigens angelegten Wasserbeeten, den „Klingen“, angebaut und war lange ein Exportschlager.
NutzenWas Brunnenkresse für dich tut
Brunnenkresse ist extrem nährstoffdicht: 100 g haben laut USDA nur etwa 11 kcal, liefern aber rund 43 mg Vitamin C, etwa 250 µg Vitamin K, 120 mg Calcium, 330 mg Kalium und rund 1.900 µg Beta-Carotin sowie Lutein. In einer Auswertung der US-Gesundheitsbehörde CDC erreichte sie als einziges Gemüse die volle Punktzahl von 100 bei der Nährstoffdichte.
Ihre Schärfe verdankt sie Senfölglykosiden, vor allem Gluconasturtiin. Beim Zerkauen wandelt das pflanzeneigene Enzym Myrosinase es in Phenethylisothiocyanat (PEITC) um. PEITC wird intensiv erforscht: In einer kleinen Studie mit Rauchern steigerte Brunnenkresse die Ausscheidung eines Tabak-Karzinogens, und in einer britischen Studie senkten 85 g täglich über acht Wochen Marker für DNA-Schäden - Hinweise, kein Beleg für Krebsschutz.
Als Arzneipflanze hat die Kommission E Brunnenkressenkraut bei Katarrhen der Luftwege positiv bewertet - mit einer Tagesdosis von 20 bis 30 g frischem Kraut oder 4 bis 6 g getrockneter Droge.
InhaltsstoffeDas steckt in der Brunnenkresse
Brunnenkresse enthält Senfölglykoside (Glucosinolate), allen voran Gluconasturtiin, daneben Glucobrassicin und Methylsulfinylalkyl-Glucosinolate, deren Abbauprodukte Phenethylisothiocyanat (PEITC) und Nitrile, Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Glykoside, Hydroxyzimtsäuren, Carotinoide (Beta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin), Vitamin C, Vitamin K, Folat, Calcium, Kalium, Eisen und Jod in Spuren.
Die Senföle entstehen erst, wenn die Zellen zerstört werden - beim Kauen, Hacken oder Pürieren. Hitze zerstört das Enzym Myrosinase, deshalb am besten roh essen.
Verstärkte KombinationenWas Brunnenkresse stärker macht
Brunnenkresse ist scharf und frisch - sie braucht milde, cremige oder süße Partner.
Klassisch als Kressesuppe.
Englisches Watercress-Sandwich.
Trägt die Carotinoide.
Süße gegen Schärfe.
Frische zu fettem Fisch.
Für Dips und Aufstriche.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Leberegel-Gefahr.
Senföle und Vitamin C gehen verloren.
Welkt schnell, Bund ins Wasser stellen.
Senföle reizen.
Laut Kommission E nicht unter 4 Jahren.
Vitamin K gleichmäßig essen.
In der KücheWo sie hingehört
- BrunnenkressesuppeMit Erdäpfel, zum Schluss püriert.
- Watercress-SandwichEnglisch mit Ei und Butter.
- FrühlingssalatMit Radieschen und Apfel.
- KressebutterFein gehackt aufs Brot.
- KräuterquarkZu Pellkartoffeln.
- LachsAuf einem Bett aus Brunnenkresse.
- PestoMit Walnüssen und Parmesan.
- RühreiZum Schluss darübergestreut.
- SmoothieMit Apfel und Gurke.
- Asiatische BrüheKurz in die heiße Suppe.
Als HausmittelBrunnenkresse-Salat bei Verkühlung
Frischer Kresse-Teller
- Etwa 25 g frische Brunnenkresse aus dem Handel (eine gute Handvoll) gründlich unter fließendem Wasser waschen.
- Die groben Stiele entfernen und die Blätter grob hacken, damit die Senföle frei werden.
- Mit etwas Zitronensaft, einem Teelöffel Olivenöl und einer Prise Salz anmachen oder auf ein Butterbrot geben.
- Über den Tag verteilt, gut gekaut, zu den Mahlzeiten essen.
Traditionell bei Verkühlung und verschleimten Atemwegen. Die Kommission E hat Brunnenkressenkraut bei Katarrhen der Luftwege positiv bewertet; die Menge entspricht der dort genannten Tagesdosis von 20 bis 30 g frischem Kraut. Klinische Studien fehlen, die Wirkung ist nicht belegt.
20 bis 30 g frisches Kraut am Tag, nicht über Wochen. Nicht bei Magen- oder Darmgeschwüren, entzündlichen Nierenerkrankungen und bei Kindern unter 4 Jahren. In der Schwangerschaft nur Küchenmengen. Bei Fieber oder Beschwerden über eine Woche ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Brunnenkresse ist im klassischen Ayurveda nicht eigens beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt sie wie andere Kressen als scharf, bitter und erwärmend - anregend für Agni, ausgleichend für Kapha und Schleim, für Pitta nur in kleinen Mengen.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der chinesischen Küche ist Brunnenkresse (xi yang cai) ein beliebtes Suppengemüse. Die TCM-Ernährungslehre ordnet sie als süß-bitter und kühl ein: Sie soll Hitze in der Lunge klären, trockenen Husten lindern und die Säfte befeuchten - deshalb wird sie traditionell in Brühe gekocht.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Leberegel: nur Brunnenkresse aus kontrolliertem Anbau essen. Wild gesammelte Pflanzen aus Bächen, besonders in der Nähe von Schaf- oder Rinderweiden, können Larven des Großen Leberegels (Fasciola hepatica) tragen, die eine ernste Lebererkrankung auslösen.
- Magen und Darm: bei Magen- oder Darmgeschwüren meiden - Senföle reizen die Schleimhaut.
- Nieren: bei entzündlichen Nierenerkrankungen keine arzneilichen Mengen; die Kommission E nennt dies als Gegenanzeige.
- Schwangerschaft: als Salat in üblichen Mengen unbedenklich; Presssaft-Kuren und größere Mengen meiden, weil Sicherheitsdaten fehlen.
- Kinder: keine arzneiliche Anwendung bei Kindern unter 4 Jahren.
- Blutverdünner: wegen des hohen Vitamin-K-Gehalts bei Vitamin-K-Antagonisten gleichmäßig essen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Kommission E (BGA): Monographie Nasturtii herba (Brunnenkressenkraut).
- USDA FoodData Central: Watercress, raw.
- Gill CI, Haldar S, Boyd LA, Bennett R, Whiteford J, Butler M, Pearson JR, Bradbury I, Rowland IR. Watercress supplementation in diet reduces lymphocyte DNA damage and alters blood antioxidant status in healthy adults. American Journal of Clinical Nutrition 2007; 85(2): 504–510.
- Hecht SS et al. Effects of watercress consumption on metabolism of a tobacco-specific lung carcinogen in smokers. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention 1995; 4(8): 877–884.
- Mas-Coma S, Bargues MD, Valero MA. Fascioliasis and other plant-borne trematode zoonoses. International Journal for Parasitology 2005; 35(11–12): 1255–1278.
- Di Noia J. Defining powerhouse fruits and vegetables: a nutrient density approach. Preventing Chronic Disease 2014; 11: E95.


