Kirsche (Prunus avium)

Botanischer Name
Prunus avium / cerasusSüßkirsche und Weichsel, Rosengewächse
Verwendet wird
Die Fruchtdie Kerne nur als Wärmekissen
Geschmack
Süß oder sauerWeichseln aromatischer
Herkunft
Zwischen Kaspischem und Schwarzem Meervon Lucullus nach Rom gebracht
Bekannt für
Anthocyane und MelatoninWeichseln besonders
Saison
Juni bis AugustSüßkirschen zuerst, Weichseln später

HerkunftMitgebracht von einem Feldherrn

Süßkirschen in einer Holzschale

74 vor Christus brachte der römische Feldherr Lucullus Kirschbäume aus der Stadt Kerasos am Schwarzen Meer mit nach Rom.

Die Süßkirsche stammt wild aus dem Gebiet zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer und wächst als Vogelkirsche auch in mitteleuropäischen Wäldern - Kerne in steinzeitlichen Siedlungen zeigen, dass man sie hier schon lange sammelte. Die gezielte Kultur brachten die Römer. Der Name der Stadt Kerasos, heute Giresun in der Türkei, steckt im lateinischen cerasus und im deutschen „Kirsche“.

Die Weichsel Prunus cerasus ist vermutlich eine natürliche Kreuzung aus Süßkirsche und Steppenkirsche. Sie ist anspruchsloser, frostfester und aromatischer, aber zu sauer zum Naschen - die Schattenmorelle ist die bekannteste Sorte. Die Türkei ist der größte Kirschproduzent der Welt; in Deutschland sind das Alte Land, Franken und die Region um Frankfurt bekannte Anbaugebiete.

NutzenWas die Kirsche für dich tut

Kirschen liefern Anthocyane, Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Weichseln enthalten deutlich mehr Anthocyane als Süßkirschen und dazu etwas Melatonin, das Hormon, das den Schlaf-wach-Rhythmus steuert.

In einer kleinen kontrollierten Studie erhöhte Sauerkirsch-Saftkonzentrat den Melatoninspiegel und verlängerte die Schlafdauer leicht. Bei Marathonläufern beschleunigte Sauerkirschsaft in den Tagen um den Lauf die Erholung der Muskelkraft. Und in einer Beobachtungsstudie hatten Menschen mit Gicht, die Kirschen aßen, weniger Gichtanfälle - vermutlich weil Kirschen die Harnsäure leicht senken.

Die Einordnung: Das sind kleine Studien, oft mit Konzentraten in Mengen, die weit über eine Handvoll Kirschen hinausgehen. Die Ergebnisse sind interessant, aber kein Ersatz für Schlafhygiene oder eine Gichtbehandlung. Als Obst sind Kirschen ohnehin eine Freude.

74 v. Chr.brachte Lucullus die Kirsche nach Rom
– 35 %weniger Gichtanfälle bei Kirschessern (Beobachtungsstudie)
2 × 30 mlSauerkirschkonzentrat täglich - die Menge aus der Schlafstudie
Nr. 1die Türkei ist der größte Kirschproduzent der Welt

InhaltsstoffeDas steckt in der Kirsche

Kirschen enthalten Zucker (Süßkirschen etwa 13 g pro 100 g, Weichseln weniger), Fruchtsäuren, Kalium, Vitamin C, Ballaststoffe und Sorbit. Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-3-rutinosid; dazu Chlorogensäure, Quercetin und in Weichseln Melatonin in kleinen Mengen.

Die Kerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerbeißen Blausäure entsteht. Ein verschluckter ganzer Kern ist harmlos, weil er unverdaut wieder ausgeschieden wird. Gefährlich wird es nur, wenn man viele Kerne zerbeißt oder Kirschkerne gemahlen verzehrt.

Verstärkte KombinationenWas die Kirsche stärker macht

Kirschen passen zu Schokolade, Mandeln und herzhaften Braten - und Weichseln gehören in fast jedes Gebäck.

Geschmack

mit Schokolade

Schwarzwälder Kirschtorte ist kein Zufall: Kirsche und Kakao gehören zusammen.

Aroma

mit Mandel & Vanille

Mandel betont den Kirschgeschmack, weil beide das gleiche Aroma Benzaldehyd teilen.

Herzhaft

mit Ente & Wild

Sauerkirschsauce zu Ente oder Reh - die Säure schneidet durch das Fett.

Schlaf

als Sauerkirschsaft am Abend

Ein kleines Glas ungesüßter Sauerkirschsaft - so wurde es in den Schlafstudien gemacht.

Frühstück

mit Joghurt & Hafer

Entsteinte Kirschen im Müsli oder als Kompott.

Tiefkühl

gefroren das ganze Jahr

Tiefgekühlte Weichseln sind ideal für Kuchen, Kompott und Smoothies.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Kerne

nicht Kerne zerbeißen

Zerbissene Kerne setzen Blausäure frei - Kinder sollten Kirschen nur entsteint oder unter Aufsicht essen.

Verdauung

nicht in Mengen bei Reizdarm

Kirschen enthalten Sorbit und Fruktose - viele Kirschen auf einmal blähen.

Mythos

Wasser danach ist unbedenklich

Die Warnung stammt aus Zeiten verunreinigter Brunnen. Mit heutigem Trinkwasser ist das kein Problem.

Zucker

nicht Sauerkirschsaft gesüßt

Viele Sauerkirschnektare enthalten viel Zucker - für die Studienwirkung ungesüßten Saft oder Muttersaft verdünnen.

Lagerung

nicht ohne Stiel lagern

Kirschen mit Stiel halten länger - kühl und ungewaschen.

Haustiere

nicht für Hunde

Kerne, Stiele und Blätter enthalten Amygdalin - Kirschen für Hunde nur entsteint.

In der KücheWo sie hingehört

  • KirschmichelBrotauflauf mit Kirschen - das pfälzische Resteessen.
  • ClafoutisKirschen in Eierteig gebacken, französischer Klassiker.
  • Schwarzwälder KirschtorteSchokoladenbiskuit, Weichseln, Sahne, Kirschwasser.
  • KirschkompottWeichseln mit Zimt und Vanille, mit Stärke gebunden.
  • Ente mit KirschsauceWeichseln mit Portwein und Rotwein eingekocht.
  • Kirschkuchen vom BlechRührteig mit Streuseln und Weichseln.
  • Kalte KirschsuppeWeichseln mit Zimt, kalt mit Grießnocken.
  • Kirsch-SalatSüßkirschen, Rucola, Feta, Pistazien.
  • KirschsorbetEntsteinte Kirschen pürieren und einfrieren.
  • Rote GrützeMit Ribisel und Himbeeren.
Faustregel: Süßkirschen reifen nach der Ernte nicht nach - nur prall, glänzend und mit grünem Stiel kaufen. Ein Kirschentsteiner spart viel Zeit; zum Einfrieren entsteint auf einem Blech vorfrieren.

Als HausmittelDas Kirschkernkissen

So geht’s

Kirschkernkissen selbst machen

  1. Kirschkerne sammeln, gründlich waschen und mit etwas Essigwasser 10 Minuten auskochen.
  2. Bei 100 °C im Ofen eine Stunde trocknen, bis sie vollständig trocken sind.
  3. Etwa 500 g Kerne in einen Leinen- oder Baumwollbeutel füllen und zunähen.
  4. Zum Wärmen 1 bis 2 Minuten bei mittlerer Leistung in die Mikrowelle oder 15 Minuten bei 120 °C in den Ofen; zum Kühlen in den Tiefkühler.
Wofür

Warm bei Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden und Nackenverspannungen - die Kerne speichern Wärme lange und geben sie gleichmäßig ab. Kalt bei Prellungen und Kopfschmerzen. Ein Klassiker für Kinder.

Menge

So oft wie nötig. Vor dem Auflegen die Temperatur am Unterarm prüfen, bei Säuglingen nur lauwarm und nie unbeaufsichtigt. Kissen nicht überhitzen - die Kerne können verkohlen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Kirsche wird in modernen ayurvedischen Texten als süß-sauer und leicht wärmend beschrieben. Sie gilt als gut für Vata, beruhigend für den Geist und als leichtes Abendobst; bei Pitta sollen eher süße Sorten gewählt werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist die Kirsche (Ying Tao) süß und warm. Sie soll Qi und Blut nähren, die Milz stärken und Wind-Feuchtigkeit vertreiben - traditionell bei Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Wegen ihrer Wärme wird sie bei Hitzezuständen nur maßvoll empfohlen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kerne: nicht zerbeißen; Kleinkinder nur entsteinte Kirschen.
  • Reizdarm: Sorbit und Fruktose können in größeren Mengen Blähungen auslösen.
  • Gicht: Kirschen sind eine Ergänzung, keine Behandlung - Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
  • Allergie: Kreuzreaktion mit Birkenpollen und anderem Steinobst möglich.
  • Hunde: nur entsteint und ohne Stiele.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Howatson G et al. Effect of tart cherry juice (Prunus cerasus) on melatonin levels and enhanced sleep quality. European Journal of Nutrition 2012; 51(8): 909–916.
  2. Howatson G et al. Influence of tart cherry juice on indices of recovery following marathon running. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 2010; 20(6): 843–852.
  3. Zhang Y et al. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis & Rheumatism 2012; 64(12): 4004–4011.
  4. Kelley DS, Adkins Y, Laugero KD. A review of the health benefits of cherries. Nutrients 2018; 10(3): 368.
  5. USDA FoodData Central: Cherries, sweet, raw und Cherries, sour, red, raw.