Kornelkirsche (Cornus mas)

Botanischer Name
Cornus masHartriegelgewächse (Cornaceae) - keine echte Kirsche
Verwendet wird
Die reife Fruchtfrisch, gekocht, getrocknet, als Brand
Geschmack
Säuerlich-herb bis süßvollreif dunkelrot und weich
Herkunft
Süd- und Mitteleuropa, Kleinasienin Deutschland wild vor allem im Südwesten
Bekannt für
Viel Vitamin C und Anthocyanebis zu 125 mg Vitamin C pro 100 g
Saison
Ernte August bis SeptemberBlüte ab Ende Februar, noch vor den Blättern

HerkunftVom Speerholz zum Dirndlbrand

Rote Kornelkirschen mit Blättern auf Holz

Das Holz der Kornelkirsche ist so hart und schwer, dass es im Wasser untergeht - die Makedonier machten daraus ihre langen Lanzen.

Die Kornelkirsche wächst wild von Südeuropa über den Balkan bis nach Kleinasien und in den Kaukasus. In Deutschland kommt sie vor allem an warmen Hängen im Südwesten vor, etwa an Saar, Mosel und Rhein. Griechen und Römer aßen die Früchte und schätzten das fast unzerbrechliche Holz für Speere und Werkzeugstiele.

Viele Namen zeigen, wie verbreitet sie war: Herlitze, Dürlitze und Hirlnuss in Deutschland, Dirndl oder Dirndlstrauch in Österreich, Tierlibaum in der Schweiz. Im niederösterreichischen Pielachtal ist die Dirndl bis heute Kulturgut - mit Marmelade, Saft, Likör und dem berühmten Dirndlbrand. In der Türkei und im Kaukasus werden die Früchte getrocknet oder zu Sirup gekocht.

NutzenWas die Kornelkirsche für dich tut

Die Kornelkirsche ist eines der Vitamin-C-reichsten Wildobste Europas: Je nach Sorte und Reife enthalten 100 g etwa 70 bis 125 mg, in einzelnen Messungen sogar deutlich mehr - das ist bis zu doppelt so viel wie in Zitronen. Eine Handvoll deckt viel vom Tagesbedarf (95–110 mg). Dazu kommen etwa 8 bis 9 % Zucker, 2 bis 3 % Fruchtsäuren und Ballaststoffe.

Die tiefrote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Glykosiden von Cyanidin und Pelargonidin - den gleichen Farbstoffen, die Blaubeeren und Kirschen färben. Dazu kommen Flavonoide, Ellagitannine und die für Hartriegel typischen Iridoide wie Loganinsäure. Im Labor wirken sie antioxidativ und entzündungshemmend.

Beim Menschen gibt es erste kleine Studien: In einer Studie mit 60 Menschen mit Typ-2-Diabetes senkten Kapseln mit Kornelkirschen-Extrakt über sechs Wochen den Langzeitzucker HbA1c leicht und die Blutfette etwas. Das waren Extrakte, keine Marmelade. Für eine sichere Empfehlung reicht die Datenlage nicht - die Kornelkirsche ist ein vitaminreiches Wildobst, kein Diabetesmittel.

bis 125 mgVitamin C pro 100 g - etwa doppelt so viel wie Zitrone
ca. 8–9 %Zucker in der vollreifen Frucht
Ende Feb.blüht sie oft schon - wichtige erste Bienenweide
Aug.–Sep.reifen die Früchte dunkelrot und weich

InhaltsstoffeDas steckt in der Kornelkirsche

Die Kornelkirsche enthält Vitamin C, Zucker (Glucose, Fructose), organische Säuren wie Äpfel- und Zitronensäure, Pektin und weitere Ballaststoffe, Anthocyane (vor allem Cyanidin-, Pelargonidin- und Delphinidin-Galaktoside), Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Glykoside, Phenolsäuren, Ellagitannine, Iridoide wie Loganinsäure und Cornusid sowie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen.

Je dunkler die Frucht, desto mehr Anthocyane und Zucker, desto weniger Gerbstoffe. Die großen, länglichen Steinkerne enthalten Öl und Gerbstoffe, sie sind aber steinhart und werden nicht gegessen.

Verstärkte KombinationenWas die Kornelkirsche stärker macht

Kornelkirschen sind sauer und herb - mit Süße, Wärme und Gewürz werden sie rund.

Eisen

mit Hafer & Hülsenfrüchten

Das Vitamin C hilft beim pflanzlichen Eisen.

Süße

mit Apfel oder Birne

Mildert die Säure in Mus und Marmelade.

Frühstück

mit Joghurt & Müsli

Als Kompott oder Fruchtsoße.

Gewürz

mit Zimt & Vanille

Für Dirndl-Röster und Kompott.

Herzhaft

zu Wild & Käse

Wie Preiselbeeren.

Einfrieren

vollreif eingefroren

Macht die Früchte weicher und süßer.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Unreif

nicht hellrot pflücken

Sehr herb und sauer - warten, bis sie dunkelrot sind.

Kerne

nicht mitessen oder zerbeißen

Steinhart - Zahn- und Verschluckgefahr.

Verwechslung

nicht mit Rotem Hartriegel

Dessen blauschwarze Beeren sind ungenießbar.

Hitze

nicht lange durchkochen

Vitamin C geht verloren.

Magen

nicht in Mengen roh bei empfindlichem Magen

Säure und Gerbstoffe reizen.

Brand

nicht als Gesundheitstrunk

Dirndlbrand ist Alkohol, kein Vitamin-C-Lieferant.

In der KücheWo sie hingehört

  • DirndlmarmeladeKlassiker aus dem Pielachtal.
  • Kornelkirschen-GeleeDurch ein Tuch passiert.
  • KompottKurz gekocht, dann entsteint.
  • DirndlsaftMit Wasser verdünnt.
  • ChutneyMit Zwiebel, Ingwer und Essig.
  • Falsche OlivenUnreife Früchte in Salzlake.
  • FruchtlederMus dünn ausgestrichen und getrocknet.
  • WildsauceZu Reh und Hirsch.
  • KaltschaleMit Joghurt und Honig.
  • DirndlbrandÖsterreichischer Obstbrand - in Maßen.
Faustregel: Reife Kornelkirschen fallen von selbst: Ein Tuch oder feines Netz unter den Strauch legen und morgens aufsammeln. Die Früchte kurz mit wenig Wasser aufkochen und durch ein Sieb streichen - so löst sich das Fleisch leicht von den harten Kernen.

Als HausmittelKornelkirschen-Saft für den Winter

So geht’s

Kornelkirschen-Saft

  1. 500 g vollreife, dunkelrote Kornelkirschen waschen.
  2. Mit 300 ml Wasser aufkochen und nur 5 bis 10 Minuten sanft köcheln lassen.
  3. Durch ein Sieb oder Tuch gießen, dabei die Früchte leicht ausdrücken - Kerne und Schalen bleiben zurück.
  4. Nach Geschmack mit etwas Honig süßen, in saubere Flaschen füllen und im Kühlschrank lagern oder portionsweise einfrieren.
Wofür

Als säuerlicher, vitamin-C- und anthocyanreicher Durstlöscher in der kalten Jahreszeit. Ein Lebensmittel, kein Arzneimittel gegen Verkühlungen.

Menge

50 bis 100 ml pro Tag, mit Wasser verdünnt. Im Kühlschrank etwa eine Woche haltbar, eingefroren mehrere Monate.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Kornelkirsche ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt die Frucht als sauer und zusammenziehend (kashaya), kühlend und leicht - ausgleichend für Kapha, bei Pitta eher gekocht und gesüßt.

Traditionelle Chinesische Medizin

Die TCM nutzt die nah verwandte Japanische Kornelkirsche (Cornus officinalis, „Shan Zhu Yu“) als sauer-zusammenziehendes Mittel, das Leber und Niere stärken und Schwitzen sowie häufigen Harndrang bremsen soll.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kerne: nicht mitessen oder zerbeißen - sie sind steinhart; Kinder beim Naschen beaufsichtigen.
  • Verwechslung: der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) blüht weiß und trägt blauschwarze, runde Beeren - sie sind ungenießbar und können Magen-Darm-Beschwerden auslösen.
  • Säure: bei empfindlichem Magen, Sodbrennen oder empfindlichem Zahnschmelz nicht in großen Mengen roh essen.
  • Diabetes: konzentrierte Extrakte können den Blutzucker beeinflussen - bei Diabetes-Medikamenten ärztlich abklären.
  • Alkohol: Dirndlbrand und Likör sind Genussmittel; in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder tabu.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Dinda B et al. Cornus mas L. (cornelian cherry), an important European and Asian traditional food and medicine: Ethnomedicine, phytochemistry and pharmacology for its commercial utilization in drug industry. Journal of Ethnopharmacology 2016; 193: 670–690.
  2. Bayram HM, Ozturkcan SA. Bioactive components and biological properties of cornelian cherry (Cornus mas L.): A comprehensive review. Journal of Functional Foods 2020; 75: 104252.
  3. Soltani R et al. Evaluation of the effects of Cornus mas L. fruit extract on glycemic control and insulin level in type 2 diabetic adult patients: a randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2015; 2015: 740954.
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Wildobst Kornelkirsche.