Petersilienwurzel (Petroselinum crispum var. tuberosum)
HerkunftDie vergessene Schwester der Petersilie

Petersilienwurzel und Pastinake sehen sich zum Verwechseln ähnlich - sind aber zwei verschiedene Pflanzen.
Die Petersilie stammt aus dem Mittelmeerraum und kam mit den Römern und später über die Klostergärten nach Mitteleuropa. Aus ihr wurden Sorten ausgelesen, die statt krauser Blätter eine dicke, rübenartige Wurzel bilden. Vor allem in Deutschland, Polen, Österreich und den Niederlanden wurde diese Wurzelpetersilie ein fester Bestandteil der Wintersuppe.
Im Laden liegt sie oft direkt neben der Pastinake. Die Unterschiede: Die Petersilienwurzel ist kleiner (meist um 20 cm), schlanker und riecht deutlich nach Petersilie. Die Pastinake wird größer, hat einen breiten, eingesunkenen Blattansatz, schmeckt süßlicher und nussiger. Wer unsicher ist, reibt kurz an der Schale - die Nase entscheidet sofort.
NutzenWas die Petersilienwurzel für dich tut
100 g Petersilienwurzel liefern rund 40 bis 55 kcal, etwa 4 g Ballaststoffe, rund 40 mg Vitamin C und 400 bis 560 mg Kalium - je nach Nährwerttabelle. Auch beim Folat steht sie gut da; die Angaben schwanken hier stark, liegen aber meist über denen von Möhre und Sellerie. Dazu kommen Magnesium, Calcium, Eisen und Flavonoide wie Apigenin.
Die Kommission E hat getrocknete Petersilienwurzel (zusammen mit dem Kraut) positiv bewertet: zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß. Wichtig ist dabei immer eine reichliche Trinkmenge. Die harntreibende Wirkung wird dem ätherischen Öl und den Flavonoiden zugeschrieben; gute klinische Studien am Menschen fehlen jedoch weitgehend.
Im ätherischen Öl stecken auch Apiol und Myristicin. In der Wurzel sind sie nur in sehr kleinen Mengen enthalten, in Petersilienfrüchten und -öl dagegen hoch konzentriert. In hohen Dosen reizen sie Nieren und Gebärmutter; Apiol wurde früher missbräuchlich zur Abtreibung eingesetzt, mit teils tödlichem Ausgang. Als Gemüse in der Suppe spielt das keine Rolle - bei Tees, Säften und Extrakten dagegen schon.
InhaltsstoffeDas steckt in der Petersilienwurzel
Petersilienwurzel enthält Kohlenhydrate, Ballaststoffe, etwas Eiweiß, Vitamin C, Folat, B-Vitamine, Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Dazu kommen Flavonoide (Apigenin und dessen Glykosid Apiin), wenig ätherisches Öl mit Apiol, Myristicin und Terpenen sowie Furocumarine, Phthalide und Polyine.
Die Furocumarine können die Haut lichtempfindlicher machen - relevant vor allem beim Schälen großer Mengen oder bei Extrakten, nicht beim normalen Essen.
Verstärkte KombinationenWas die Petersilienwurzel stärker macht
Die Petersilienwurzel ist ein Teamspieler - allein würzig, zusammen mit anderen Wurzeln rund.
Die klassische Grundlage jeder Brühe.
Trägt das Aroma, hilft bei Carotinoiden.
Hält sie hell und frisch.
Das Kraut obendrauf, mehr Vitamin C.
Macht aus der Suppe eine Mahlzeit.
Winterliches Wurzelblech.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Konzentrate meiden; Gemüse ist in Ordnung.
Hoch konzentriertes Apiol.
Kann reizen.
Durchspülung ist hier falsch.
Wird schnell weich - feuchtes Tuch oder Beutel.
Schierling sieht ähnlich aus - nur Gekauftes oder sicher Bestimmtes.
In der KücheWo sie hingehört
- GemüsebrüheMit Möhre, Sellerie und Lauch.
- CremesuppeMit Erdapfel und einem Schuss Sahne.
- PüreeZu Fisch oder Linsen.
- OfenwurzelnMit Olivenöl und Thymian.
- RohkostFein geraspelt mit Apfel und Zitrone.
- EintopfMit Rindfleisch oder Bohnen.
- ChipsHauchdünn aus dem Ofen.
- RisottoGewürfelt und mitgeschmort.
- GratinMit Erdäpfel im Wechsel.
- PetersilienpestoAus dem Laub mit Nüssen.
Als HausmittelPetersilienwurzeltee zur Durchspülung
Petersilienwurzeltee
- 2 g getrocknete, fein geschnittene Petersilienwurzel (etwa 1 Teelöffel) in eine Tasse geben.
- Mit 150 ml kochendem Wasser übergießen.
- Abgedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
- Dreimal täglich eine Tasse trinken und über den Tag zusätzlich reichlich Wasser oder Kräutertee trinken.
Nach Kommission E zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß. Der Tee ersetzt keine Behandlung einer Blasenentzündung mit Fieber, Blut im Urin oder Flankenschmerzen.
Tagesdosis etwa 6 g Droge, verteilt auf drei Tassen. Nicht in der Schwangerschaft, nicht bei entzündlichen Nierenerkrankungen und nicht bei Wassereinlagerungen durch Herz- oder Nierenschwäche. Wenn die Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser werden, ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Petersilienwurzel ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt sie als warm, leicht scharf und entwässernd - ausgleichend für Kapha und Vata, bei Pitta in Maßen.
Traditionelle Chinesische Medizin
Auch in der klassischen TCM spielt die Petersilienwurzel keine Rolle. In der westlichen TCM-Ernährungslehre wird Petersilie als warm und leicht scharf eingeordnet und soll das Wasser bewegen und die Blase unterstützen.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Schwangerschaft: Tees, Säfte, Extrakte und vor allem Petersilienfrüchte oder -öl meiden; normale Mengen als Gemüse sind unbedenklich.
- Niere: bei entzündlichen Nierenerkrankungen und Ödemen durch Herz- oder Niereninsuffizienz keine Durchspülungstherapie.
- Licht: Furocumarine können bei hellhäutigen Menschen phototoxische Hautreaktionen auslösen, vor allem bei hoch dosierten Zubereitungen.
- Allergie: Kreuzreaktionen mit Sellerie, Möhre und Beifußpollen möglich.
- Harnwegsinfekt: bei Fieber, Blut im Urin oder Schmerzen in der Nierengegend ärztlich abklären lassen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Kommission E: Monographie Petroselini herba/radix (Petersilienkraut/-wurzel). Bundesanzeiger.
- Farzaei MH et al. Parsley: a review of ethnopharmacology, phytochemistry and biological activities. Journal of Traditional Chinese Medicine 2013; 33(6): 815–826.
- Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Petroselinum crispum. Spektrum Akademischer Verlag, 1999.
- Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at): Petersilienwurzel. Saisonkalender.



