Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera)

Botanischer Name
Brassica napus subsp. rapiferaKreuzblütler (Brassicaceae), eine Verwandte von Raps und Kohl
Verwendet wird
Die dicke Rüberoh, gekocht, gestampft oder gebacken
Geschmack
Mild-süßlich, leicht kohliggelbe Sorten nussig, fast wie Möhre
Herkunft
Nord- und Mitteleuropaaus einer Kreuzung von Kohl und Rübsen
Bekannt für
Den „Steckrübenwinter“ 1916/17und viel Vitamin C im Winter
Saison
September bis Novemberaus dem Lager bis ins Frühjahr

HerkunftVom Notessen zum Wintergemüse

Steckrüben auf einem grauen Tuch

Die Steckrübe ist ein Kind zweier Eltern: Sie entstand aus einer Kreuzung von Kohl und Rübsen.

Botanisch gehört die Steckrübe zum Raps (Brassica napus), der aus einer spontanen Kreuzung von Gemüsekohl und Rübsen hervorging. Die Form mit der dicken Speicherwurzel wurde wohl im Spätmittelalter in Nordeuropa ausgelesen; aus Skandinavien kam sie nach Großbritannien, wo sie bis heute „swede“ heißt. In Schottland gehören die „neeps“ zum Haggis, in Norddeutschland kennt man sie als Wruke, Kohlrübe oder Butterrübe.

Ihren schlechten Ruf verdankt sie dem Ersten Weltkrieg. Nach der Seeblockade und einer katastrophalen Erdapfelernte 1916 mussten Steckrüben im „Steckrüben-“ oder „Kohlrübenwinter“ 1916/17 die Erdapfel ersetzen - als Suppe, Brot, Marmelade und sogar Kaffee-Ersatz. Satt machten sie kaum, die Tageszufuhr vieler Menschen fiel unter 1.000 Kilokalorien. Die Generation danach wollte keine Steckrübe mehr sehen. Heute kehrt sie als regionales Wintergemüse in Bioläden und Restaurantküchen zurück.

NutzenWas die Steckrübe für dich tut

100 g rohe Steckrübe liefern nur etwa 37 kcal, dafür rund 25 mg Vitamin C, gut 300 mg Kalium und etwa 2,3 g Ballaststoffe. Auch gekocht bleibt ein guter Teil des Vitamin C erhalten, besonders wenn sie in wenig Wasser gegart oder im Eintopf mitsamt Brühe gegessen wird. Im Winter, wenn frisches Obst knapp war, war sie damit eine wichtige Vitamin-C-Quelle.

Wie alle Kohlgewächse enthält die Steckrübe Glucosinolate (Senfölglykoside). Beim Schneiden und Kauen entstehen daraus Isothiocyanate und andere Abbauprodukte, die in Labor- und Beobachtungsstudien mit Schutzwirkungen für Zellen in Verbindung gebracht werden. Ein direkter Nutzen einzelner Gemüse ist beim Menschen aber nicht belegt - er liegt eher im regelmäßigen Verzehr von Kohlgemüse insgesamt.

Weil sie kalorienarm ist und gut sättigt, eignet sich Steckrübe als leichtere Alternative zu Erdapfelpüree oder Pommes. Gelbfleischige Sorten bringen etwas Beta-Carotin mit, aber deutlich weniger als Möhren. Ein Wundermittel ist sie nicht - wohl aber ein ehrliches, heimisches Wintergemüse mit kurzen Wegen.

ca. 25 mgVitamin C pro 100 g roh
ca. 305 mgKalium pro 100 g
ca. 37 kcalpro 100 g - weniger als die Hälfte der Erdapfel
bis Aprilaus dem Lager verfügbar

InhaltsstoffeDas steckt in der Steckrübe

Die Steckrübe besteht zu etwa 89 Prozent aus Wasser und enthält Kohlenhydrate (vor allem Zucker), Ballaststoffe, etwas Eiweiß, Vitamin C, Vitamin B6, Folat, Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor. Dazu kommen Glucosinolate wie Progoitrin, Glucobrassicanapin und Glucobrassicin, bei gelben Sorten außerdem Carotinoide.

Der leicht kohlige Geschmack stammt von den Senfölen. Sie sitzen dicht unter der Schale - deshalb wird die Steckrübe dick geschält, gegart wird sie milder und süßer.

Verstärkte KombinationenWas die Steckrübe stärker macht

Die Steckrübe liebt Fett, Würze und Gesellschaft im Topf.

Fett

mit Butter oder Rapsöl

Rundet ab, hilft beim Beta-Carotin.

Stampf

mit Erdäpfel & Möhren

Der klassische norddeutsche Mix.

Würze

mit Muskat & Pfeffer

Macht das Püree fein.

Süße

mit Apfel

Bringt Frische ins Gemüse.

Eiweiß

mit Linsen oder Bohnen

Macht den Eintopf zur Mahlzeit.

Ofen

mit Thymian & Rosmarin

Für Steckrüben-Pommes.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Schale

nicht dünn schälen

Die Randschicht schmeckt scharf und holzig.

Garzeit

nicht zu lange kochen

Sonst verkocht sie und wird wässrig.

Wasser

nicht in viel Wasser garen

Vitamin C wandert ins Kochwasser.

Größe

nicht die Riesenrübe kaufen

Kleine sind zarter.

Schilddrüse

nicht täglich in großen Mengen bei Jodmangel

Progoitrin kann die Jodaufnahme stören.

Lagerung

nicht warm und trocken

Sonst wird sie weich und schrumpelig.

In der KücheWo sie hingehört

  • SteckrübeneintopfMit Erdäpfel, Möhren und Kümmel.
  • SteckrübenstampfMit Butter und Muskat.
  • Steckrüben-PommesAus dem Ofen, mit Rosmarin.
  • ClapshotSchottisch mit Erdäpfel und Schnittlauch.
  • RohkostsalatFein geraspelt mit Apfel.
  • SuppePüriert mit Ingwer.
  • OfengemüseMit Pastinake und Roter Bete.
  • GratinMit Sahne oder Hafercreme.
  • RotmosMecklenburgisch mit Möhren.
  • CurryGewürfelt mit Kichererbsen.
Faustregel: Steckrübe halbieren, auf die Schnittfläche legen und mit einem großen Messer von oben nach unten dick schälen. Gewürfelt gart sie in 15 bis 20 Minuten. Ungewaschen im kühlen Keller oder in Sand hält sie mehrere Wochen, im Kühlschrank etwa drei Wochen.

Als HausmittelWärmender Steckrübenstampf

So geht’s

Steckrübenstampf

  1. 500 g Steckrübe und 300 g mehligkochende Erdäpfel schälen und würfeln.
  2. In wenig Salzwasser oder Brühe zugedeckt 15 bis 20 Minuten weich garen.
  3. Das Kochwasser nicht wegschütten, sondern mit einem Stück Butter oder einem Schuss Rapsöl zu den Rüben geben.
  4. Alles grob stampfen, mit Muskat, Pfeffer und etwas Schnittlauch abschmecken.
Wofür

Als leichtes, gut bekömmliches Wintergericht, das warm hält und satt macht. Durch das mitgegessene Kochwasser bleibt mehr Vitamin C und Kalium erhalten.

Menge

Eine große Portion als Beilage oder Hauptgericht. Wer zu Blähungen neigt, mit kleineren Mengen beginnen und etwas Kümmel mitkochen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Steckrübe ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt sie gegart als süß, erdend und leicht kühlend - ausgleichend für Pitta; für Vata am besten warm und mit Fett, für Kapha mit scharfen Gewürzen.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der klassischen TCM spielt die Steckrübe keine Rolle. In der westlichen TCM-Ernährungslehre wird sie wie andere Rüben als neutral bis leicht kühl und süß eingeordnet und soll die Mitte stärken.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Schilddrüse: bei Jodmangel oder Schilddrüsenerkrankung Kohl- und Rübengemüse nicht roh in sehr großen Mengen essen; gekocht ist unproblematisch.
  • Blähungen: wie andere Kohlgewächse kann sie blähen - Kümmel oder Fenchel mitkochen.
  • Kalium: bei Nierenerkrankungen mit Kaliumbeschränkung Menge mit dem Arzt abstimmen.
  • Gerinnungshemmer: Kohlgemüse enthält Vitamin K; bei Vitamin-K-Antagonisten gleichmäßig essen statt stark schwankend.
  • Lagerung: faulige oder schimmelige Stellen großzügig wegschneiden, stark befallene Rüben entsorgen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Rutabagas, raw.
  2. Scriba A. Der „Kohlrübenwinter“ 1916/17. LeMO - Lebendiges Museum Online, Deutsches Historisches Museum.
  3. Cartea ME, Velasco P. Glucosinolates in Brassica foods: bioavailability in food and significance for human health. Phytochemistry Reviews 2008 (online 2007): 213–229.
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Steckrübe feiert Comeback. Meldung, Jänner 2025.