Rettich (Raphanus sativus var. niger)

Botanischer Name
Raphanus sativus var. nigerKreuzblütler (Brassicaceae)
Verwendet wird
Die Wurzelroh, als Presssaft oder mit Honig als Sirup
Geschmack
Scharf, würzig, leicht süßlichdie Schärfe entsteht erst beim Schneiden
Herkunft
Vorderasien und Ostmittelmeerseit der Antike im Anbau
Bekannt für
Senföleund den Hustensaft aus Rettich und Honig
Saison
Mai bis Oktober frischWinterrettich lagert bis ins Frühjahr

HerkunftVon den Pyramiden in den Biergarten

Schwarzer Rettich, ausgehöhlt und mit Honig gefüllt

Der Name kommt vom lateinischen radix - „Wurzel“.

Rettich gehört zu den ältesten Gemüsen überhaupt. Schon im alten Ägypten soll er zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch zur Verpflegung der Arbeiter gehört haben, Griechen und Römer schätzten ihn als Speise und Heilmittel. Über die Klöster kam er nach Mitteleuropa, wo sich vor allem die kältefesten, lange haltbaren Winterrettiche durchsetzten.

In Bayern ist der weiße Bierrettich, der „Radi“, bis heute fester Bestandteil der Brotzeit: spiralig geschnitten, gesalzen und nach ein paar Minuten, wenn er „weint“, gegessen. Der schwarze Rettich mit seiner rauen, dunklen Schale ist schärfer und wurde vor allem als Wintervorrat und Hausmittel genutzt. In Asien ist dagegen der milde weiße Daikon verbreitet.

NutzenWas Rettich für dich tut

100 g Rettich liefern nur rund 15 kcal, aber etwa 25 bis 30 mg Vitamin C, gut 2 g Ballaststoffe, reichlich Kalium sowie etwas Calcium, Folat und B-Vitamine. Schwarzer Rettich enthält meist mehr Scharfstoffe als weißer.

Das Besondere sind die Glucosinolate. Werden die Zellen beim Schneiden, Reiben oder Kauen verletzt, spaltet das Enzym Myrosinase sie zu Senfölen. Diese regen die Speichel- und Magensaftbildung sowie den Gallefluss an und wirken im Labor antimikrobiell. Die Kommission E bewertete Rettich-Presssaft deshalb positiv bei dyspeptischen Beschwerden, besonders bei Störungen der Gallenwege, und bei Katarrhen der oberen Luftwege. Klinische Studien aus neuerer Zeit fehlen weitgehend.

Der klassische Hustensaft aus schwarzem Rettich und Honig ist ein überliefertes Hausmittel ohne eigene Studien. Für Honig selbst zeigt eine Cochrane-Übersicht, dass er akuten Husten bei Kindern etwas lindern kann - wahrscheinlich ein Grund, warum sich das Rezept so lange hält. Ein Arzneimittel ersetzt er nicht.

ca. 15 kcalpro 100 g
ca. 29 mgVitamin C pro 100 g
ca. 2,5 gBallaststoffe pro 100 g
50–100 mlPresssaft am Tag laut Kommission E

InhaltsstoffeDas steckt im Rettich

Rettich enthält Glucosinolate wie Glucoraphasatin, aus denen beim Zerkleinern scharfe Senföle (Isothiocyanate) entstehen, dazu Vitamin C, Folat, Vitamin B6, Kalium, Calcium, Magnesium, Ballaststoffe, Polyphenole und in roten Sorten Anthocyane.

Die Scharfstoffe sitzen vor allem in und dicht unter der Schale. Beim Kochen wird die Myrosinase zerstört, Rettich wird dann mild und süßlich - ähnlich wie Kohlrabi.

Verstärkte KombinationenWas Rettich stärker macht

Rettich braucht Salz, Fett oder Süße als Gegenspieler zu seiner Schärfe.

Süße

mit Honig

Klassischer Hustensirup.

Salz

mit einer Prise Salz

Zieht Wasser, mildert die Schärfe.

Fett

mit Butterbrot

Die bayerische Brotzeit.

Frische

mit Schnittlauch

Für Rettichsalat.

Säure

mit Apfel & Zitrone

Rohkost mit Vitamin C.

Eiweiß

mit Topfen

Als Aufstrich.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Galle

nicht bei Gallensteinen

Regt den Gallefluss an - Koliken möglich.

Magen

nicht in großen Mengen roh

Kann blähen und den Magen reizen.

Kochen

nicht lange garen, wenn es scharf sein soll

Hitze zerstört die Myrosinase.

Lagerung

nicht geschnitten lange stehen lassen

Wird weich und verliert Schärfe.

Kinder

nicht Honig unter 1 Jahr

Gefahr von Säuglingsbotulismus.

Menge

nicht wochenlang literweise Saft

Maß halten, Beschwerden abklären.

In der KücheWo er hingehört

  • Radi zur BrotzeitSpiralig geschnitten, gesalzen.
  • RettichsalatMit Essig, Öl und Schnittlauch.
  • Rettich-Apfel-RohkostFein geraspelt.
  • RettichquarkAufs Vollkornbrot.
  • Daikon-SuppeMild gegart in Brühe.
  • KimchiMit Rettich statt Kohl.
  • Eingelegter RettichSüßsauer, japanisch.
  • SchmorrettichMit Butter und Petersilie.
  • Rettich-CarpaccioHauchdünn mit Kräutern.
  • RettichsirupMit Honig als Hausmittel.
Faustregel: Schwarzen Rettich vor dem Essen gut waschen und nur die raue Schale abbürsten statt dick zu schälen - die Schärfe sitzt direkt darunter. Gesalzene Scheiben 10 Minuten ziehen lassen, dann wird er milder.

Als HausmittelRettichsirup für die Hustenzeit

So geht’s

Rettich-Honig-Sirup

  1. Einen schwarzen Rettich waschen, oben einen Deckel abschneiden und das Innere mit einem Löffel aushöhlen.
  2. Die Höhlung zu etwa zwei Dritteln mit Honig füllen, den Deckel aufsetzen.
  3. Den Rettich in ein Glas stellen und über Nacht an einem kühlen Ort stehen lassen.
  4. Den entstandenen Saft abgießen oder abtropfen lassen und im Kühlschrank aufbewahren.
  5. Alternativ den Rettich reiben, mit Honig mischen und nach einigen Stunden durch ein Tuch pressen.
Wofür

Als altes Hausmittel bei Husten und Verkühlung. Honig legt sich lindernd auf den gereizten Rachen, die Senföle geben Schärfe und Wärme. Eine Wirkung des Sirups selbst ist nicht in Studien belegt.

Menge

Mehrmals täglich 1 Teelöffel, innerhalb von 2 bis 3 Tagen aufbrauchen. Nicht für Kinder unter einem Jahr. Husten, der länger als drei Wochen anhält oder mit Fieber und Atemnot einhergeht, gehört ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Im Ayurveda heißt Rettich Mulaka. Roh gilt er als scharf und erhitzend, er regt Agni an und löst Schleim - ausgleichend für Kapha. Gekocht wird er milder und für Vata besser verträglich, bei Pitta nur sparsam.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM gilt Rettich (Lai Fu, die Samen: Lai Fu Zi) als scharf, süß und kühl. Er soll das Qi senken, Nahrungsstagnation lösen und Schleim aus der Lunge umwandeln.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Gallensteine: Rettich und Rettichsaft regen die Galle an - bei Gallensteinen meiden, sonst drohen Koliken.
  • Magen und Darm: bei empfindlichem Magen, Gastritis oder Reizdarm kleine Mengen testen.
  • Honig: Rettich-Honig-Sirup nie an Kinder unter einem Jahr geben.
  • Schilddrüse: Glucosinolate sind in üblichen Mengen unbedenklich; nur sehr große Mengen roh über lange Zeit sind bei Jodmangel ungünstig.
  • Beschwerden: anhaltende Verdauungsprobleme oder Husten ärztlich abklären lassen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Kommission E am BGA: Monographie Raphani sativi radix (Rettich). Bundesanzeiger.
  2. Gamba M et al. Nutritional and phytochemical characterization of radish (Raphanus sativus): A systematic review. Trends in Food Science & Technology 2021; 113: 205–218.
  3. Lugasi A et al. Antioxidant effect of squeezed juice from black radish (Raphanus sativus L. var niger) in alimentary hyperlipidaemia in rats. Phytotherapy Research 2005.
  4. Oduwole O et al. Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 4: CD007094.
  5. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at): Rettich.