Maulbeere (Morus nigra / Morus alba)

Botanischer Name
Morus nigra, Morus albaMaulbeergewächse (Moraceae), verwandt mit der Feige
Verwendet wird
Früchte und BlätterFrüchte frisch oder getrocknet, Blätter als Tee
Geschmack
Süß, weich, aromatischschwarze säuerlicher, weiße honigsüß
Herkunft
Vorderasien und Chinaschwarze aus Persien, weiße aus China
Bekannt für
Anthocyane und SeideBlätter sind Futter der Seidenraupe
Saison
Juli bis Augustgetrocknet ganzjährig, meist Import

HerkunftDer Baum der Seidenstraße

Maulbeerzweig mit reifenden Früchten

Ohne die Weiße Maulbeere gäbe es keine Seide: Die Raupe des Seidenspinners frisst fast nur ihre Blätter.

Die Weiße Maulbeere stammt aus China, wo man seit Jahrtausenden Seidenraupen mit ihren Blättern füttert. Mit dem Wissen um die Seide wanderte der Baum über die Seidenstraße nach Westen. Die Schwarze Maulbeere kommt aus Persien und Vorderasien und wurde schon von Griechen und Römern wegen ihrer Früchte gepflanzt. Ovid erzählt, ihre Beeren hätten sich durch das Blut der Liebenden Pyramus und Thisbe dunkel gefärbt.

In Deutschland ließ Friedrich der Große im 18. Jahrhundert tausende Maulbeerbäume pflanzen, um eine eigene Seidenproduktion aufzubauen. Die Pläne scheiterten am Klima, doch einzelne alte Bäume stehen bis heute in Parks und Dorfkirchhöfen. Getrocknete Maulbeeren im Handel stammen überwiegend aus der Türkei, wo die weiße Sorte in großem Stil angebaut wird.

NutzenWas Maulbeeren für dich tun

Frische Maulbeeren haben pro 100 g nur rund 43 kcal und liefern etwa 36 mg Vitamin C sowie knapp 2 mg Eisen - für Obst ein hoher Wert. Schwarze und rote Sorten sind reich an Anthocyanen, vor allem Cyanidin-3-Glucosid, die den Beeren ihre tiefe Farbe geben. Weiße Maulbeeren enthalten kaum Anthocyane und schmecken dafür besonders süß.

Getrocknet konzentriert sich alles: Die Beeren werden zu einem süßen, leicht knusprigen Snack mit viel Fruchtzucker, aber auch mit Ballaststoffen, Eisen und Calcium. Wie bei allen Trockenfrüchten gilt: eine Handvoll, nicht die Tüte.

Die Blätter der Weißen Maulbeere enthalten 1-Deoxynojirimycin (DNJ). Dieser Stoff hemmt im Darm Enzyme, die Stärke und Zucker spalten - ähnlich wie das Diabetes-Medikament Acarbose. In kleinen Studien senkte Maulbeerblatt-Extrakt den Blutzucker- und Insulinanstieg nach einer Mahlzeit. Langzeitstudien sind rar und uneinheitlich; das US-amerikanische NCCIH bewertet die Datenlage als gemischt. Die Früchte enthalten nur wenig DNJ.

ca. 36 mgVitamin C pro 100 g frische Beeren
ca. 1,9 mgEisen pro 100 g frische Beeren
ca. 43 kcalpro 100 g frische Beeren
1–2 Tagehalten frische Maulbeeren im Kühlschrank

InhaltsstoffeDas steckt in Maulbeeren

Die Früchte enthalten Wasser, Frucht- und Traubenzucker, etwas Säure, Ballaststoffe, Vitamin C, Vitamin K, Kalium, Eisen und Calcium. Dazu kommen Anthocyane (in dunklen Sorten), Flavonole wie Quercetin und Rutin, Phenolsäuren wie Chlorogensäure und in geringen Mengen Resveratrol.

Die Blätter enthalten 1-Deoxynojirimycin und andere Iminozucker, Flavonoide, Chlorogensäure und viel Eiweiß - deshalb sind sie so nahrhaft für Seidenraupen. Unreife Früchte, Rinde und Blätter führen einen weißen Milchsaft, der Haut und Magen reizen kann.

Verstärkte KombinationenWas Maulbeeren stärker macht

Maulbeeren sind süß und weich - sie brauchen etwas Säure, Biss oder Cremigkeit an ihrer Seite.

Säure

mit Zitronensaft

Hebt das Aroma der süßen weißen Sorte.

Biss

mit Walnüssen & Mandeln

Als Snack-Mischung.

Frühstück

mit Haferflocken

Getrocknet im Müsli statt Zucker.

Cremig

mit Joghurt

Frische Beeren als Topping.

Eisen

mit Vitamin C aus Beeren

Frucht bringt beides gleich mit.

Beerenmix

mit Brombeeren

Ähnlicher Look, anderes Aroma.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Unreif

nicht unreife Früchte essen

Milchsaft kann Magen und Darm reizen.

Menge

nicht tütenweise getrocknet

Viel Fruchtzucker.

Diabetes

nicht Blattextrakt neben Medikamenten

Unterzuckerungsgefahr - nur nach Rücksprache.

Lagerung

nicht frisch lange liegen lassen

Werden binnen Stunden matschig.

Kleidung

nicht in heller Kleidung pflücken

Der Saft färbt stark.

Blätter

nicht als Diabetes-Therapie

Die Studienlage reicht dafür nicht.

In der KücheWo sie hingehören

  • Frisch vom BaumDirekt gepflückt am besten.
  • MüsliGetrocknet statt Rosinen.
  • StudentenfutterMit Nüssen und Kernen.
  • MaulbeerkonfitüreMit Zitrone und Gelierzucker.
  • Joghurt-ToppingFrische schwarze Beeren.
  • SmoothieMit Banane und Hafer.
  • KuchenAls Streuselkuchen wie mit Brombeeren.
  • SirupTürkisch als Dut Pekmezi eingekocht.
  • SalatMit Rucola und Feta.
  • Maulbeerblätter-TeeIn Japan als Kuwacha bekannt.
Faustregel: Frische Maulbeeren nicht waschen und schichten, sondern einzeln auf einem Teller ausbreiten und noch am selben Tag essen oder einfrieren. Beim Pflücken ein Tuch unter den Baum legen und die reifen Früchte abschütteln - so bleiben die Finger sauberer.

Als HausmittelMaulbeerblätter-Tee

So geht’s

Maulbeerblätter-Tee

  1. 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blätter der Weißen Maulbeere in eine Tasse geben.
  2. Mit 200 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen.
  3. 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  4. Zu oder kurz vor einer stärkehaltigen Mahlzeit trinken.
Wofür

Als mildes Getränk zu kohlenhydratreichen Mahlzeiten. Die Blätter können den Blutzuckeranstieg nach dem Essen etwas dämpfen - wie stark das mit einem einfachen Tee gelingt, ist aber kaum untersucht.

Menge

1 bis 2 Tassen täglich. Wer Diabetes-Medikamente oder Insulin nimmt, spricht vorher mit Arzt oder Apotheke, weil sich die Wirkungen addieren können. Blähungen und weicher Stuhl sind möglich.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Im Ayurveda ist die Maulbeere als Tuta bekannt. Die reifen Früchte gelten als süß, kühlend und nährend - ausgleichend für Vata und Pitta. Unreife Früchte gelten als schwer und sauer.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist der Maulbeerbaum eine ganze Apotheke: Die Blätter (Sang Ye) sollen Wind-Hitze vertreiben und die Augen klären, die Früchte (Sang Shen) gelten als süß und kalt und sollen Yin und Blut nähren. Auch Wurzelrinde und Zweige werden genutzt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Unreife Früchte: und der weiße Milchsaft von Blättern und Rinde können Magen, Darm und Haut reizen.
  • Diabetes: Maulbeerblatt-Extrakte können mit blutzuckersenkenden Medikamenten zu Unterzuckerung führen - nur nach Rücksprache.
  • Verdauung: Blattextrakte verursachen häufig Blähungen oder weichen Stuhl.
  • Allergie: Maulbeerpollen und -früchte können Allergien auslösen, Kreuzreaktionen mit der Feige sind möglich.
  • Trockenfrüchte: viel Fruchtzucker - in Maßen genießen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Mulberries, raw.
  2. Thaipitakwong T, Numhom S, Aramwit P. Mulberry leaves and their potential effects against cardiometabolic risks: a review of chemical compositions, biological properties and clinical efficacy. Pharmaceutical Biology 2018; 56(1): 109–118.
  3. Lown M et al. Mulberry-extract improves glucose tolerance and decreases insulin concentrations in normoglycaemic adults: Results of a randomised double-blind placebo-controlled study. PLoS One 2017; 12(2): e0172239.
  4. Yuan Q, Zhao L. The Mulberry (Morus alba L.) Fruit - A Review of Characteristic Components and Health Benefits. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2017; 65(48): 10383–10394.
  5. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): White Mulberry Leaf: Usefulness and Safety.