Hafer (Avena sativa)

Botanischer Name
Avena sativaSüßgräser (Poaceae)
Verwendet wird
Körner, Flocken, Kleie, StrohStroh und grünes Kraut als Arznei
Geschmack
Mild, nussiggeröstet kräftiger
Herkunft
Vorderasien, als Unkrautin Nordeuropa zur Kulturpflanze
Bekannt für
Beta-Glucansenkt nachweislich das Cholesterin
Gluten
Enthält Aveninviele Zöliakie-Betroffene vertragen reinen Hafer

HerkunftVom Unkraut zum Kraftfutter

Haferflocken in einer Holzschale auf einem Brett

Hafer kam als Unkraut in Weizen- und Gerstenfeldern nach Norden - und setzte sich im kühlen, feuchten Klima gegen sie durch.

Wildhafer wuchs im Vorderen Orient als Begleiter von Weizen und Gerste. Als der Ackerbau sich in das kühlere, feuchtere Nordeuropa ausbreitete, gedieh der Hafer dort besser als seine Wirtspflanzen und wurde vor rund 3.000 Jahren selbst zur Kulturpflanze. In Schottland, Irland und Skandinavien war Haferbrei über Jahrhunderte das tägliche Brot.

Der englische Gelehrte Samuel Johnson spottete, Hafer sei in England Pferdefutter und in Schottland Menschennahrung - worauf ein Schotte geantwortet haben soll, deshalb habe England so gute Pferde und Schottland so gute Menschen. Heute erlebt Hafer als Haferdrink, Overnight Oats und Porridge ein Comeback.

NutzenWas Hafer für dich tut

Hafer liefert komplexe Kohlenhydrate, rund 13 Prozent Eiweiß, Ballaststoffe, Magnesium, Zink, Eisen, B-Vitamine und besonders viel Beta-Glucan - einen löslichen Ballaststoff, der im Darm ein zähes Gel bildet. Dieses Gel bindet Gallensäuren und bremst die Zuckeraufnahme.

Die Wirkung ist gut belegt: Eine Metaanalyse von 28 kontrollierten Studien fand, dass 3 g Hafer-Beta-Glucan pro Tag das LDL-Cholesterin um rund 0,25 mmol/l senken. Die EU hat die Aussage zugelassen, dass Hafer-Beta-Glucan den Cholesterinspiegel senkt und den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten verringert. In der Diabetologie werden „Hafertage“ - zwei Tage fast nur Haferbrei - unter ärztlicher Begleitung bei schwerer Insulinresistenz eingesetzt; die Idee geht auf den Arzt Carl von Noorden um 1900 zurück.

Äußerlich ist Hafer ein bewährtes Hautmittel: Fein gemahlener, kolloidaler Hafer ist in den USA als Hautschutzmittel zugelassen und lindert Juckreiz bei trockener Haut und Neurodermitis; die Kommission E beschreibt Haferstroh-Bäder bei juckenden Hauterkrankungen.

3 gBeta-Glucan am Tag senken das Cholesterin
60 - 80 gHaferflocken liefern etwa diese Menge
– 0,25mmol/l LDL-Senkung (Metaanalyse, 28 Studien)
um 1900erfand Carl von Noorden die Haferkur bei Diabetes

InhaltsstoffeDas steckt im Hafer

Haferflocken enthalten rund 60 Prozent Kohlenhydrate, 13 Prozent Eiweiß, 7 Prozent Fett (mehr als andere Getreide) und 10 Prozent Ballaststoffe, davon etwa 4 bis 5 Prozent Beta-Glucan. Dazu kommen Magnesium, Zink, Eisen, Mangan, Thiamin, Biotin und die hafertypischen Avenanthramide, entzündungshemmende Polyphenole.

Hafer enthält kein Gluten im engeren Sinn, sondern Avenin, das die meisten Menschen mit Zöliakie vertragen. Handelsüblicher Hafer ist aber oft mit Weizen oder Gerste verunreinigt; bei Zöliakie nur ausgewiesen glutenfreien Hafer und nach Rücksprache mit dem Arzt.

Verstärkte KombinationenWas Hafer stärker macht

Hafer ist der Grundstein des Frühstücks - mit Obst, Nüssen und Samen wird er vollständig.

Cholesterin

täglich 60–80 g

Die Wirkung braucht Regelmäßigkeit - jeden Tag eine Portion Haferflocken oder Haferkleie.

Blutzucker

mit Nüssen & Joghurt

Eiweiß und Fett bremsen den Zuckeranstieg zusätzlich.

Omega-3

mit Leinsamen & Walnuss

Geschroteter Leinsamen und Walnüsse im Porridge.

Technik

Overnight Oats

Über Nacht eingeweicht - mehr resistente Stärke, cremig ohne Kochen.

Geschmack

mit Zimt & Apfel

Der Klassiker - süß ohne Zucker.

Herzhaft

als Bratling & Suppe

Haferflocken binden Bratlinge und machen Suppen sämig.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Zöliakie

nicht normalen Hafer bei Zöliakie

Nur ausgewiesen glutenfreien Hafer, nach ärztlicher Rücksprache.

Zucker

nicht Fertigmüsli mit viel Zucker

Viele Knuspermüslis und Instant-Porridges enthalten reichlich Zucker - selbst mischen.

Diabetes

nicht Hafertage ohne Arzt

Bei Insulin oder Tabletten kann der Blutzucker stark sinken - Hafertage nur ärztlich begleitet.

Medikamente

nicht direkt mit Medikamenten

Ballaststoffe können die Aufnahme verzögern - Abstand halten.

Verdauung

nicht zu viel Kleie auf einmal

Haferkleie langsam steigern, viel trinken.

Phytinsäure

nicht nur roh bei Mineralstoffmangel

Einweichen und Kochen verringern Phytinsäure und verbessern die Aufnahme von Eisen und Zink.

In der KücheWo er hingehört

  • PorridgeMit Wasser oder Milch, Zimt, Apfel, Nüssen.
  • Overnight OatsÜber Nacht in Joghurt oder Milch eingeweicht.
  • Bircher-MüesliMit geriebenem Apfel und Nüssen.
  • HaferbratlingeMit Gemüse und Kräutern.
  • HaferflockensuppeHerzhaft mit Gemüse, oder als Schleim bei Magenbeschwerden.
  • GranolaSelbst geröstet mit wenig Honig.
  • HaferkekseMit Banane statt Zucker.
  • HaferbrotMit Haferflocken und Joghurt.
  • HaferdrinkHaferflocken mit Wasser mixen und abseihen.
  • HaferschleimBei empfindlichem Magen.
Faustregel: Zarte Haferflocken für Porridge und Babybrei, kernige für Müsli, Haferkleie für den höchsten Beta-Glucan-Gehalt. Kühl und trocken lagern - wegen des höheren Fettgehalts werden sie schneller ranzig als andere Flocken.

Als HausmittelHaferbad bei juckender Haut

So geht’s

Haferbad

  1. 100 g Haferflocken im Mixer zu feinem Mehl mahlen (kolloidaler Hafer).
  2. In ein Baumwollsäckchen oder einen Nylonstrumpf füllen und zubinden.
  3. Unter den laufenden, lauwarmen Wasserstrahl hängen, bis das Wasser milchig wird, dann in die Wanne legen.
  4. 10 bis 15 Minuten baden, die Haut danach nur tupfen, nicht rubbeln, und eincremen.
Wofür

Juckreiz bei trockener Haut, Neurodermitis, Sonnenbrand, Windpocken und Insektenstichen. Die Stärke und die Beta-Glucane legen sich als Schutzfilm auf die Haut, die Avenanthramide wirken entzündungshemmend.

Menge

Ein- bis zweimal täglich bei akutem Juckreiz, sonst mehrmals pro Woche. Nur lauwarm, nicht heiß. Bei Säuglingen, großflächigen Ekzemen oder Infektionszeichen ärztlich abklären lassen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Hafer ist im klassischen Ayurveda kaum beschrieben. Heute gilt er als süß, schwer, nährend und leicht wärmend: Gekocht als Brei beruhigt er Vata und nährt das Gewebe, bei Kapha-Überschuss sollte er mit wärmenden Gewürzen gegessen werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM wird Hafer (Yan Mai) als süß und warm beschrieben. Er soll Milz und Magen stärken, das Qi auffüllen und Schweißausbrüche bei Schwäche lindern; das grüne Haferkraut wird in der westlichen Pflanzenheilkunde als Nervenstärkungsmittel genutzt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Zöliakie: nur zertifiziert glutenfreien Hafer und nach Rücksprache.
  • Diabetes: Hafertage nur unter ärztlicher Begleitung - Unterzuckerungsgefahr.
  • Medikamente: Ballaststoffe verzögern die Aufnahme - Abstand halten.
  • Blähungen: Kleie langsam steigern, viel trinken.
  • Haferallergie: selten, vor allem bei Kindern mit Neurodermitis.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Whitehead A et al. Cholesterol-lowering effects of oat β-glucan: a meta-analysis of randomized controlled trials. American Journal of Clinical Nutrition 2014; 100(6): 1413–1421.
  2. EFSA NDA Panel. Scientific opinion on the substantiation of a health claim related to oat beta glucan and lowering blood cholesterol and reduced risk of (coronary) heart disease. EFSA Journal 2010; 8(12): 1885.
  3. Lammert A et al. Clinical benefit of a short term dietary oatmeal intervention in patients with type 2 diabetes and severe insulin resistance: a pilot study. Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes 2008; 116(2): 132–134.
  4. Kommission E: Monographie Avenae stramentum (Haferstroh), Bundesanzeiger.
  5. USDA FoodData Central: Oats.