Orange (Citrus × sinensis)
HerkunftDer goldene Apfel aus China

Im Niederländischen heißt die Orange bis heute „Sinaasappel“ - der Apfel aus China.
Die Süßorange ist wie die Zitrone eine alte Kreuzung - hier aus Mandarine und Pomelo - und stammt aus Südchina. Nach Europa kam zuerst die Bitterorange, im Mittelalter über die Araber; die süße Orange brachten portugiesische Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert mit. In vielen Sprachen erinnert der Name daran: Portokali heißt sie auf Griechisch, Portakal auf Türkisch.
An den Fürstenhöfen des Barock wurde sie zum Statussymbol: Orangerien, beheizte Glashäuser, in denen Zitrusbäume überwinterten, gehörten zu jedem Schloss. Heute sind Brasilien, China, Indien, die USA und Spanien die großen Produzenten, und ein Großteil der Welternte wird zu Saft verarbeitet. In Deutschland kommen die Früchte im Winter vor allem aus Spanien, Italien und Griechenland.
NutzenWas die Orange für dich tut
Eine mittelgroße Orange (etwa 150 g Fruchtfleisch) liefert rund 80 mg Vitamin C - die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 95 mg für Frauen und 110 mg für Männer. Dazu kommen Folat, Kalium, Ballaststoffe und Carotinoide, in Blutorangen zusätzlich Anthocyane, die der Frucht ihre rote Farbe geben.
Interessant ist das Flavonoid Hesperidin, das vor allem in der weißen Innenhaut und den Trennhäuten sitzt. In einer kontrollierten Studie verbesserte Orangensaft - und Hesperidin allein - bestimmte Messwerte der Gefäßfunktion und senkte den diastolischen Blutdruck leicht. Das ist kein Heilversprechen, aber ein gutes Argument, die Orange zu essen und die weiße Haut nicht penibel abzuziehen.
Der ehrliche Punkt ist der Saft: Ein Glas Orangensaft enthält den Zucker von zwei bis drei Orangen, aber kaum Ballaststoffe, und es sättigt nicht. Frisch gepresst ist er ein Genuss, als Durstlöscher taugt er nicht. Die ganze Frucht ist in jeder Hinsicht die bessere Wahl.
InhaltsstoffeDas steckt in der Orange
Das Fruchtfleisch enthält Fruchtzucker, Glukose und Saccharose, Zitronensäure, Vitamin C, Folat, Kalium und Ballaststoffe, darunter reichlich Pektin in den Trennhäuten. Die Flavonoide Hesperidin und Narirutin sitzen konzentriert in der weißen Innenhaut (Albedo). Blutorangen enthalten zusätzlich Anthocyane, die sich nur bei kalten Nächten während der Reife bilden - deshalb kommen die besten aus Sizilien am Ätna.
Die orange Schale enthält ätherisches Öl mit Limonen als Hauptbestandteil und Polymethoxyflavone wie Nobiletin und Tangeretin. Wie bei der Zitrone gilt: Konventionelle Früchte sind oft gewachst und mit Konservierungsmitteln behandelt; für Abrieb und kandierte Schale nur „unbehandelt“ nehmen.
Verstärkte KombinationenWas die Orange stärker macht
Die Orange verbindet Süße und Säure - sie passt in den Salat, in den Schmortopf und ins Dessert.
Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme aus Pflanzen - Orangenspalten im Linsensalat oder zum Haferbrei.
Nicht zu gründlich schälen: In der weißen Innenhaut steckt das meiste Hesperidin.
Sizilianischer Orangensalat: Orange, Fenchel, rote Zwiebel, schwarze Oliven, Olivenöl.
Die Winterkombination: Glühwein, Punsch, Orangenkompott, Weihnachtsgebäck.
Ente à l’orange - die Säure schneidet durch das Fett, die Süße rundet ab.
Orangenabrieb in Mousse, Brownies oder kandierte Schale in Schokolade.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Viel Zucker, wenig Ballaststoffe, kaum Sättigung - Saft ist ein Genuss, kein Obstersatz.
Orangensaft kann die Aufnahme einiger Medikamente senken (z. B. Fexofenadin, Celiprolol) - mit zwei bis vier Stunden Abstand trinken.
Die Säure reizt bei Sodbrennen.
Vitamin C und Frische gehen verloren - Orangensaft in Saucen erst zum Schluss einreduzieren.
Säure plus Zucker - der Zahnschmelz leidet, wenn den ganzen Tag Saft getrunken wird.
Bitterorangen-Extrakte mit Synephrin in Abnehmmitteln können Herz und Kreislauf belasten - etwas völlig anderes als die Süßorange.
In der KücheWo sie hingehört
- Sizilianischer OrangensalatOrangenscheiben, Fenchel, rote Zwiebel, Oliven, Olivenöl, Salz.
- Ente à l’orangeKnusprige Ente mit Orangen-Karamell-Sauce.
- Orangen-Möhren-SuppeMöhren, Ingwer, Orangensaft und -abrieb.
- Couscous mit OrangeMinze, Granatapfel, Orangenstücke, Pistazien.
- OrangenmarmeladeKlassisch aus Bitterorangen - mit Schale, herb und süß.
- OrangenkompottFilets in Sirup mit Zimt und Nelke.
- Kandierte SchaleUnbehandelte Schale blanchieren, in Zuckersirup ziehen lassen.
- Orangen-VinaigretteSaft, Senf, Olivenöl - zu Vogerlsalat und Rote Bete.
- Blutorangen-GranitaSaft mit wenig Zucker einfrieren und auskratzen.
- Punsch & GlühweinScheiben mit Nelken, Zimt, Sternanis.
Als HausmittelOrangenschalen-Tee für die Verdauung
Tee aus getrockneter Orangenschale
- Die Schale von zwei unbehandelten Orangen dünn abschälen, ohne die weiße Haut.
- Auf einem Teller an einem warmen Ort 3 bis 5 Tage trocknen, bis sie knackt.
- Einen Teelöffel zerkleinerte Schale mit 250 ml heißem Wasser übergießen.
- Zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, nach dem Essen trinken.
Traditionell bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit. Die Kommission E hat die Schale der Bitterorange bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden anerkannt; die Süßorangenschale ist milder und wird in der Volksheilkunde ähnlich genutzt. Die Tasse schmeckt nach Winter.
Ein bis drei Tassen am Tag nach den Mahlzeiten. Nur unbehandelte Schale verwenden. Wer hellhäutig ist und Bitterorangenschale trinkt, meidet danach intensive Sonne (Furocumarine).
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Orange (Naranga) gilt im Ayurveda als süß-sauer und kühlend. Sie beruhigt Vata, erfrischt bei Hitze und stärkt den Appetit; bei Kapha-Überschuss und Verschleimung soll sie maßvoll gegessen werden, am besten nicht spät am Abend.
Traditionelle Chinesische Medizin
Die TCM nutzt vor allem die getrocknete Schale der Mandarine, Chen Pi - eines der wichtigsten Mittel überhaupt, um das Qi von Milz und Magen zu bewegen, Schleim zu lösen und Blähungen zu lindern. Je älter die Schale, desto wertvoller. Das süße Fruchtfleisch gilt als kühl, befeuchtend und durstlöschend.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Medikamente: Orangensaft kann die Aufnahme einzelner Wirkstoffe senken - Abstand halten, Beipackzettel beachten.
- Sodbrennen: Fruchtsäure kann Reflux verstärken.
- Zähne: Saft nicht über den Tag verteilt trinken.
- Bitterorange: Extrakte mit Synephrin nicht mit Koffein und nicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Schale: nur unbehandelt verzehren.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Morand C et al. Hesperidin contributes to the vascular protective effects of orange juice: a randomized crossover study in healthy volunteers. American Journal of Clinical Nutrition 2011; 93(1): 73–80.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr - Vitamin C. Bonn, aktuelle Fassung.
- Kommission E: Monographie Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale), Bundesanzeiger.
- Bailey DG. Fruit juice inhibition of uptake transport: a new type of food–drug interaction. British Journal of Clinical Pharmacology 2010; 70(5): 645–655.
- USDA FoodData Central: Oranges, raw, all commercial varieties.


