Maracuja (Passiflora edulis)
HerkunftDie Frucht der Passionsblume

Den Namen „Passionsblume“ gaben ihr Missionare: In der Blüte sahen sie Dornenkrone, Nägel und Wunden der Passion Christi.
Die Pflanze stammt aus dem Süden Brasiliens und den angrenzenden Regionen, der Name Maracujá aus der Sprache der Tupí. Die Kletterpflanze rankt mehrere Meter hoch und trägt prachtvolle weiß-violette Blüten, aus denen eiförmige Früchte mit geleeartigem, kernreichem Inneren werden. Heute wird sie in allen Tropen und Subtropen angebaut, von Kolumbien und Kenia bis Vietnam.
Es gibt zwei Hauptformen: Die violette Passionsfrucht (Passiflora edulis f. edulis) ist klein, wächst im kühleren Hochland und schmeckt süßer - sie liegt meist als Frischfrucht im Handel. Die gelbe Maracuja (f. flavicarpa) ist größer, saurer und wird vor allem zu Saft verarbeitet. Nicht zu verwechseln ist beides mit der Süßen Grenadille (Passiflora ligularis), die im Handel als „Grenadilla“ verkauft wird: Sie hat eine glatte, harte, orangegelbe Schale und ein mildes, süßes Fruchtfleisch. Verwirrend: Im Englischen heißt die violette Passionsfrucht ebenfalls oft „granadilla“.
NutzenWas Maracuja für dich tut
100 g Fruchtinhalt der violetten Passionsfrucht liefern nach USDA-Daten rund 10 g Ballaststoffe, etwa 30 mg Vitamin C, rund 740 µg Beta-Carotin (Provitamin A) und etwa 350 mg Kalium - bei knapp 100 kcal. Ein großer Teil der Ballaststoffe sitzt in den Kernen. Wer sie mitisst, bekommt also deutlich mehr davon als mit Saft oder Nektar.
Die Mengen muss man realistisch sehen: Eine violette Frucht enthält nur etwa 18 g essbaren Inhalt. Drei Früchte bringen rund 5 g Ballaststoffe und 15 mg Vitamin C - ein schöner Beitrag, aber keine Vitamin-C-Bombe wie Guave oder Kiwi. Maracuja ist vor allem ein Aromaträger, mit dem sich Joghurt, Müsli und Desserts ohne viel Zucker fruchtig machen lassen.
In den Kernen stecken Polyphenole wie Piceatannol, ein Verwandter des Resveratrols, in der Schale weitere Flavonoide. Zu Extrakten aus Samen und Schale gibt es Labor-, Tier- und einige kleine Humanstudien, etwa zu Blutdruck und Blutzucker. Für die Frucht, wie wir sie essen, lässt sich daraus keine Heilwirkung ableiten. Auch die beruhigende Wirkung der Passionsblume gilt für das Kraut von Passiflora incarnata, nicht für die Maracuja-Frucht.
InhaltsstoffeDas steckt in der Maracuja
Maracuja enthält Zucker, Fruchtsäuren (vor allem Zitronensäure und Äpfelsäure), lösliche Ballaststoffe wie Pektin im Fruchtfleisch und unlösliche in den Kernen, Beta-Carotin und andere Carotinoide, Vitamin C, Niacin, Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen, dazu Polyphenole wie Piceatannol und Flavonoide sowie zahlreiche fruchtige Aromastoffe (Ester und Terpene).
Schale und unreife Früchte enthalten außerdem cyanogene Glykoside, aus denen Blausäure freigesetzt werden kann. In reifem Fruchtfleisch sind die Mengen gering - die Schale isst man nicht mit.
Verstärkte KombinationenWas Maracuja stärker macht
Maracuja bringt Säure und Duft - sie verträgt sich mit Cremigem und anderen Tropenfrüchten.
Eiweiß plus Frucht, kaum Zucker nötig.
Süße gegen Säure.
Vitamin C hilft beim Eisen aus dem Korn.
Für Desserts und Currys.
Für Limonade ohne Sirup.
Das klassische Tropentrio.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Enthält cyanogene Glykoside.
Sehr sauer, mehr Blausäure-Vorstufen.
Oft viel Zucker und keine Kerne.
Die Säure lässt sie ausflocken.
Das ist das Passionsblumenkraut.
Kreuzreaktionen sind möglich.
In der KücheWo sie hingehört
- Pur gelöffeltHalbieren und auslöffeln.
- Maracuja-JoghurtMit Naturjoghurt.
- PavlovaBaiser mit Sahne und Frucht.
- KäsekuchenMit Maracuja-Spiegel.
- Mousse de maracujáBrasilianische Creme.
- Smoothie-BowlMit Banane und Mango.
- SorbetMark, Wasser, wenig Zucker.
- SalatdressingMit Öl, Senf und Salz.
- Maracuja-SchorleMit Sprudelwasser.
- ObstsalatAls fruchtige Soße darüber.
Als HausmittelMaracuja-Wasser statt Limonade
Maracuja-Wasser
- 2 reife Passionsfrüchte halbieren und das Fruchtfleisch samt Kernen in eine Karaffe löffeln.
- Den Saft einer halben Limette und ein paar Minzblätter dazugeben.
- Mit 1 Liter kaltem Wasser oder Sprudelwasser auffüllen und kurz umrühren.
- Nach Geschmack mit einem Teelöffel Honig süßen und gekühlt trinken - die Kerne kann man mitessen.
Als erfrischender Durstlöscher für alle, die mehr trinken wollen und Limonade oder Saft mit viel Zucker ersetzen möchten. Aroma und Säure kommen fast allein aus der Frucht.
Am selben Tag trinken. Bei empfindlichen Zähnen danach mit Wasser nachspülen und nicht sofort Zähne putzen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Maracuja ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt sie als süß-sauer, feucht und eher kühlend - ausgleichend für Vata, bei Pitta wegen der Säure in Maßen.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der klassischen TCM ist die Frucht nicht beschrieben. In der westlichen TCM-Ernährungslehre gilt sie als süß-sauer und kühl; sie soll Hitze klären und Säfte bilden.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Schale: nicht essen - sie enthält Blausäure-Vorstufen, ebenso unreife Früchte.
- Latexallergie: Passionsfrucht gehört zu den Früchten, die beim Latex-Frucht-Syndrom Beschwerden auslösen können.
- Verwechslung: die Frucht ist kein Arzneimittel - beruhigend wirkt das Kraut der Passionsblume, und das nur in geprüfter Zubereitung.
- Zähne und Magen: die Fruchtsäure kann empfindliche Zähne und einen gereizten Magen reizen.
- Saft: Maracujanektar enthält oft viel zugesetzten Zucker - Zutatenliste lesen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- USDA FoodData Central: Passion-fruit, (granadilla), purple, raw.
- He X et al. Passiflora edulis: An Insight Into Current Researches on Phytochemistry and Pharmacology. Frontiers in Pharmacology 2020; 11: 617.
- Chassagne D et al. Identification and Quantification of Passion Fruit Cyanogenic Glycosides. Journal of Agricultural and Food Chemistry 1996; 44: 3817ff.
- Wagner S, Breiteneder H. The latex-fruit syndrome. Biochemical Society Transactions 2002; 30(6): 935–940.
- EMA/HMPC: Community herbal monograph on Passiflora incarnata L., herba.


